
Wunderschöner Bergausflug an den Cascade Du Rouget
Das Giffre-Tal in Frankreich: Von Morillon über Samoëns bis Sixt-Fer-à-Cheval und zum Cascade du Rouget
Manchmal fährt man in eine Gegend, schaut aus dem Autofenster und weiß nach erstaunlich kurzer Zeit: Ja. Genau so hatte ich mir das vorgestellt.
Das Giffre-Tal in der Haute-Savoie war für mich so ein Fall. Ich war rund um Morillon unterwegs, fuhr weiter über Samoëns in Richtung Sixt-Fer-à-Cheval und schließlich immer höher hinauf, vorbei an einem der beeindruckendsten Wasserfälle der Region bis nach Lignon. Und je weiter ich in das Tal hineinkam, desto schöner wurde es.

Dabei ist das Giffre-Tal gar nicht unbedingt die Gegend, deren Namen man in Deutschland sofort auf dem Zettel hat, wenn man Urlaub in den französischen Alpen plant. Chamonix und der Mont Blanc kennt praktisch jeder, Annecy sowieso. Das Vallée du Giffre liegt ein wenig abseits dieser ganz großen Namen und genau das macht einen Teil seines Reizes aus.

Hier gibt es kleine Orte, Wälder, den wilden Fluss Giffre, Wasserfälle und irgendwann diese gewaltigen Felswände, bei denen die Landschaft endgültig aufhört, nur hübsch zu sein.
Sie wird dramatisch.
Morillon: klein, gemütlich und ziemlich genau mein Geschmack
Mein Ausgangspunkt war Morillon.
Und Morillon hat bei mir etwas geschafft, was auf dieser Reise vorher noch kein anderer Ort geschafft hatte: Ich kam an und dachte ziemlich spontan, dass ich hier auch länger bleiben könnte.
Der Ort ist klein, gemütlich und wirkt trotz des Tourismus nicht wie eine künstlich angelegte Ferienkulisse. Natürlich gehört Morillon zum großen Skigebiet Grand Massif und natürlich spielt der Wintersport hier eine wichtige Rolle. Im Tal merkt man davon im Sommer aber erstaunlich wenig.
Stattdessen gibt es viel Grün, traditionelle Häuser und vor allem den Giffre, der sich durch das Tal zieht.
Der Fluss ist überhaupt so etwas wie der rote Faden dieser Gegend. Von Morillon kann man ihm über viele Kilometer folgen. Ein ausgeschilderter Weg führt beispielsweise vom Lac Bleu bei Morillon entlang des Giffre in Richtung Samoëns und weiter Richtung Sixt-Fer-à-Cheval. Zwischen Morillon und Samoëns ist das Gelände dabei ausgesprochen flach.

Das ist durchaus erwähnenswert, denn in den Alpen bedeutet ein harmlos aussehender Spaziergang bekanntlich gelegentlich: „Nur noch kurz dort hoch“, woraufhin man 600 Höhenmeter später beginnt, grundlegende Lebensentscheidungen zu hinterfragen.
Hier geht es tatsächlich auch gemütlich.
Samoëns: deutlich größer, aber immer noch schön
Von Morillon ging es für mich weiter nach Samoëns.
Samoëns ist größer und lebhafter als Morillon und eines der touristischen Zentren des Haut-Giffre. Trotzdem besitzt der Ort einen ganz anderen Charakter als viele moderne französische Skiorte, bei denen irgendwann offenbar beschlossen wurde, dass möglichst viele Ferienwohnungen pro Quadratmeter ein architektonisches Konzept darstellen.
Samoëns ist ein historisch gewachsener Ort und wirkt entsprechend.
Wer in dieser Gegend Urlaub macht, hat damit eine ziemlich angenehme Kombination: Restaurants, Geschäfte und touristische Infrastruktur in Samoëns, aber wenige Kilometer weiter bereits wieder erstaunlich viel Natur.
Und genau diese Natur wird immer spektakulärer, wenn man dem Tal weiter Richtung Sixt folgt.
Die Übernachtungspreise hier sind hoch, auch in der Neben-Neben-Neben Saison und trotzdem sind die Unterkünfte bescheiden. Hier lebt man komplett von den Skifahren
Je weiter man Richtung Sixt-Fer-à-Cheval fährt, desto wilder wird es
Hinter Samoëns verändert sich die Landschaft merklich.
Das Tal wird enger, die Berge rücken näher zusammen und aus der freundlichen grünen Alpenlandschaft wird langsam eine deutlich rauere Bergwelt.
Das Ziel vieler Besucher ist der berühmte Cirque du Fer-à-Cheval, ein gewaltiger hufeisenförmiger Felskessel. Die Felswände erreichen dort stellenweise eine Höhe von fast 2.000 Metern und je nach Jahreszeit stürzen zahlreiche Wasserfälle herunter. Die Tourismusorganisation spricht von rund 30 Wasserfällen im Gebiet.
Allein diese Dimension erklärt ziemlich gut, warum Sixt-Fer-à-Cheval landschaftlich eine andere Liga ist als die unteren Bereiche des Tales.
Für mich ging es allerdings nicht einfach nur zum Cirque du Fer-à-Cheval.
Ich nahm die Straße Richtung Salvagny und Lignon.
Und das war eine ausgesprochen gute Entscheidung.

Cascade du Rouget: plötzlich steht dieser Wasserfall einfach neben der Straße
Das erste große Ziel auf dieser Strecke ist die Cascade du Rouget.
Und „groß“ darf man hier durchaus wörtlich nehmen.
Der Cascade du Rouget fällt in zwei mächtigen Stufen mehr als 80 Meter in die Tiefe. Er trägt nicht ohne Grund den Beinamen „Reine des Alpes“, Königin der Alpen, und gehört zu den bekanntesten Wasserfällen von Sixt-Fer-à-Cheval.
Das Großartige daran ist allerdings nicht nur der Wasserfall selbst.
Es ist seine Erreichbarkeit.
Man muss dafür keine mehrstündige Bergwanderung absolvieren und auch keine Seilbahn benutzen. Außerhalb des Winters führt die Straße von Salvagny direkt hinauf zum Wasserfall. Man fährt durch den Wald und irgendwann steht dieses riesige Ding praktisch neben der Straße.
Das ist eine Art von Sehenswürdigkeit, die ich ausgesprochen sympathisch finde.
Spektakuläre Natur ohne vorherige sportliche Aufnahmeprüfung.
Das Wasser stürzt über die Felsen, Gischt liegt in der Luft und unmittelbar davor bekommt man erst ein Gefühl dafür, wie mächtig dieser Wasserfall tatsächlich ist.
Wer im Giffre-Tal unterwegs ist, sollte den Cascade du Rouget deshalb meiner Meinung nach unbedingt mitnehmen. Selbst wenn man ansonsten mit Wasserfällen eher nach dem Prinzip „kennst du einen, kennst du alle“ verfährt, dürfte es hier schwierig werden, völlig unbeeindruckt wieder ins Auto zu steigen.

Nach dem Cascade du Rouget ist noch lange nicht Schluss
Und genau hier würde ich einen entscheidenden Fehler vermeiden:
Nicht am Cascade du Rouget wieder umdrehen.
Die Straße führt noch weiter hinauf Richtung Lignon.
Während der Cascade du Rouget auf ungefähr 1.000 Metern Höhe liegt, erreicht man am Ende der Straße beim Lignon etwa 1.180 Meter. Die Strecke wird schmaler, der Wald dichter und man merkt zunehmend, dass man sich vom eigentlichen Talboden entfernt.
Oben liegt der Chalet du Lignon.
Und dort habe ich gegessen.
Schon die Fahrt dorthin lohnt sich, weil sie noch einmal eine ganz andere Seite der Gegend zeigt. Unten liegen Morillon und Samoëns in einem relativ breiten, grünen Tal. Hier oben ist man plötzlich mitten in der Bergwelt.

Der Parkplatz am Lignon ist außerdem Ausgangspunkt verschiedener Wanderungen. Eine der kürzeren Touren führt zu den Wasserfällen Cascade de la Sauffaz und Cascade de la Pleureuse. Für die rund 1,3 Kilometer lange Hin-und-zurück-Tour werden etwa eine Stunde und 220 Höhenmeter angegeben.
Die bin ich mit dem Hunden gelaufen, auch für Paul mit sein kaputten Hüften war das gut zu schaffen.
Die Namen sind übrigens ausgesprochen hübsch gewählt: Das Wasser der Pleureuse stammt aus Quellen beziehungsweise Wasseraustritten im Fels und erinnert an herabrinnende Tränen. Daher der Name „die Weinende“.
Von hier beginnen außerdem wesentlich längere Bergtouren Richtung Vallon de Sales oder zum Lac d’Anterne.
Wichtig mit Hund: Hier verläuft eine Grenze, die man kennen sollte
Wer mit Hund reist, muss rund um Sixt-Fer-à-Cheval allerdings sehr genau aufpassen.
Große Bereiche gehören zur Réserve naturelle nationale de Sixt-Fer-à-Cheval/Passy, dem größten Naturschutzgebiet der Haute-Savoie. Innerhalb des Schutzgebietes sind Hunde grundsätzlich verboten, und zwar nicht nur freilaufende Hunde.
Auch angeleinte Hunde dürfen dort nicht einfach mitgenommen werden.
Das ist besonders wichtig, weil man an verschiedenen Ausgangspunkten zunächst problemlos mit Hund ankommen kann, die anschließende Wanderroute aber später in das Naturschutzgebiet hineinführt.
Am Cascade du Rouget selbst werden Hunde beispielsweise ausdrücklich als erlaubt angegeben. Bei weiterführenden Wanderungen sollte man dagegen vorher exakt prüfen, wo die Grenze des Schutzgebietes verläuft.
Für einen Urlaub mit Hund ist das Giffre-Tal deshalb einerseits großartig, andererseits muss man seine Ausflüge ein bisschen sorgfältiger planen als in Regionen ohne derartige Schutzgebiete.
Morillon, Samoëns oder Sixt: Wo würde ich wohnen?
Nachdem ich die Gegend gesehen habe, wäre meine persönliche Entscheidung ziemlich eindeutig.
Morillon würde ich als Standort sofort nehmen.
Samoëns bietet zwar mehr Infrastruktur und ist ebenfalls schön, aber Morillon empfinde ich als behaglicher und ruhiger. Gleichzeitig liegt es so günstig, dass Samoëns nur wenige Kilometer entfernt ist und man problemlos weiter nach Sixt-Fer-à-Cheval fahren kann.
Sixt wiederum ist landschaftlich spektakulärer, liegt aber bereits weit hinten im Tal.
Morillon sitzt für mich genau dazwischen: gemütlicher Urlaubsort unten im Tal und gleichzeitig hervorragender Ausgangspunkt für die deutlich wildere Bergwelt weiter hinten.
Ein Ausflug, für den man ruhig einen ganzen Tag einplanen kann
Auf der Karte liegen Morillon, Samoëns und Sixt-Fer-à-Cheval erstaunlich dicht beieinander.
Gerade das wäre schade.
Man kann morgens in Morillon starten, sich Samoëns ansehen, anschließend weiter Richtung Sixt fahren und danach die Straße über Salvagny zum Cascade du Rouget nehmen. Dort sollte man aussteigen und sich Zeit nehmen, bevor man anschließend weiter bis Lignon fährt.
Oben kann man essen, die Landschaft genießen und, sofern man ohne Hund unterwegs ist beziehungsweise eine hundetaugliche Route gewählt hat, noch eine kleine Wanderung anschließen.
Und irgendwann fährt man dieselbe Straße wieder hinunter.
Was sich keineswegs nach „denselben Weg zurückfahren“ anfühlt.
Bergstraßen besitzen diese angenehme Eigenschaft, dass sie in der Gegenrichtung plötzlich wieder völlig anders aussehen.
Mein Fazit zum Giffre-Tal
Das Giffre-Tal war für mich eine der schönsten Entdeckungen dieser Reise durch die französischen Alpen.
Nicht, weil es eine einzelne Sehenswürdigkeit gibt, für die man unbedingt hunderte Kilometer fahren müsste. Es ist die Kombination.
Morillon ist gemütlich. Samoëns lebendig, ohne seinen Charakter verloren zu haben. Hinter Sixt wird die Landschaft zunehmend wilder. Der Cascade du Rouget liefert dann den großen Auftritt und wenn man anschließend noch bis Lignon weiterfährt, ist man endgültig mitten in einer Berglandschaft angekommen, wegen der man überhaupt in die Alpen fährt.
Und vielleicht ist genau das der größte Vorteil dieser Gegend:
Man muss nicht jeden schönen Ort erwandern.
Man kann morgens gemütlich im Tal starten, mit dem Auto immer tiefer in die Berge hineinfahren, an einem über 80 Meter hohen Wasserfall stehen und wenig später auf fast 1.200 Metern Höhe etwas essen.
Für Menschen, die Berge lieben, aber nicht der Ansicht sind, dass man sich jede schöne Aussicht grundsätzlich mit vier Stunden Aufstieg verdienen muss, ist das Giffre-Tal damit ziemlich nah an der Idealbesetzung.

Aix Les Bans
Aufgrund der großen Hitze und damit wir uns alle gut von den Anreise erholen, hab ich jetzt 2 Tage Bade Urlaub in Aix les Bans eingeplant.
Das waren allerdings noch 1,5 h Fahrt.
Hunde sind hier ab 31.8 uneingeschränkt am Strand erlaubt und so konnte ich mit Luca und Paul den restlichen Tag zum Baden nutzen.

Aix les Bans mit Hund
Aix les Bans ist nun nicht gerade ein atemberaubender Urlaubsort, aber der See ist ( erstaunlicherweise) extrem warm, bei ca 22 -23 Grad. Ich hatte gedacht, wegen der Berge ist es kühl, aber kein Stück.
Am Strand Bereich gibt es Steine und Kies, aber auch Rasenfläche zum Chillen. Eine Leinenpflicht gibt es hier nicht. Es waren einige Hunde dort, aber es war ruhig und entspannt und ich konnte in Ruhe schwimmen, während Luca und Paul nur durchs Wasser plantschten und die anderen Hunde kennen gelernt haben.
Es war also echt ein schöner Tag, nur das Hotelzimmer nicht.
Für 130 € plus Frühstücken plus Hund kann man hier in der Region kein Zimmer erwarten, was in Deutschland 130 € kosten würde.
Das Niveau bewegt sich auf etwa doppelten Niveau von Deutschland in dieser Lage, also ein Zimmer dieser Art läge in Deutschland an irgendeinen See bei 65€, vermutlich inklusive Frühstück 🤣.
Ich vermisse gerade mal wieder mein Wohnmobil. Da weiß man wenigstens, was man hat.







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