Aix les bains

Der Hafen vor meinem Hotel ist sehr hübsch

Aix-les-Bains mit Hund: Zwei Tage am Lac du Bourget, an denen ich wirklich gar nichts gemacht habe

Ich war zwei Tage in Aix-les-Bains, und wenn ich sage, dass ich hier zwei Tage zum Baden war, dann meine ich tatsächlich Baden und nicht dieses typische Urlauber-Baden, bei dem man morgens schnell eine halbe Stunde ins Wasser springt und anschließend noch drei Sehenswürdigkeiten, einen Aussichtspunkt, eine Altstadt und möglichst ein Museum abarbeitet, damit der Urlaub auch ordentlich etwas vorzuweisen hat. Ich habe nichts dergleichen gemacht, sondern mich morgens mit meinen beiden Dackeln auf den Weg zum See gemacht, mich dort breitgemacht, bin schwimmen gegangen, habe herumgelegen, ein bisschen gelesen und geguckt, was die Hunde so treiben, und bin zwischendurch mit ihnen ein Stück durch die Gegend gelaufen. Das war mein komplettes Kulturprogramm, und ich kann nach diesen zwei Tagen sagen: Es war hervorragend.

Aix-les-Bains liegt direkt am Lac du Bourget in Savoyen und ist alles andere als ein verschlafenes kleines Örtchen irgendwo am französischen Bergsee, denn der Ort gehört zu den bekannten Ferien- und Kurorten Frankreichs und rund um den See ist entsprechend viel los. Der Lac du Bourget selbst ist rund 18 Kilometer lang, bis zu etwa 3,5 Kilometer breit und wird von Bergen eingerahmt, wobei besonders die gegenüberliegende, deutlich steilere Seite landschaftlich einiges hermacht. Die Tourismusregion gibt für den See im Sommer sogar eine durchschnittliche Wassertemperatur von etwa 26 Grad an, was meine eigene Überraschung immerhin bestätigt, denn mit einem derart warmen Bergsee hatte ich wirklich überhaupt nicht gerechnet. (Aix-les-Bains Riviera des Alpes)

Blick auf die Stadt

Aix Les Bains Video Hundestrand

Hier mal ein Video vom Hundestrandbereich. Im Häuschen sind Toiletten ( sehr sauber), Kiosk, Bootsverleih und viele Restaurants

Aix-les-Bains ist wunderschön, aber billig ist hier gar nichts

Falls du von der Schweiz kommst und beim Überqueren der französischen Grenze innerlich bereits triumphierst, weil nun endlich wieder normale französische Preise auf dich warten, kannst du diesen Gedanken in Aix-les-Bains ziemlich schnell wieder einpacken. Die Nähe zur Schweiz scheint sich hier zumindest gefühlt sehr deutlich bemerkbar zu machen, denn Aix-les-Bains ist teuer, und zwar auch Anfang September, wenn die eigentliche Hochsaison bereits vorbei ist.

Für rund 120 Euro pro Nacht und Person ohne Frühstück solltest du nicht automatisch davon ausgehen, dass dich ein besonders hübsches Hotelzimmer erwartet, denn in dieser Preisklasse kann dir durchaus etwas begegnen, bei dem du am Ende hauptsächlich froh darüber bist, dass es wenigstens sauber ist. Frühstückspreise um 30 Euro sind ebenfalls keine Seltenheit, für den Hund kommen je nach Unterkunft noch einmal bis zu ungefähr 15 Euro am Tag hinzu und wenn du mit zwei Hunden reist, solltest du vorher genau nachfragen, ob dieser Preis pro Zimmer oder tatsächlich pro Hund berechnet wird.

Man kann viele verschiedene Boote mieten. Herrlich

Beim Essen setzt sich das Ganze munter fort, denn ein ganz normales Hauptgericht, für das ich in Deutschland vielleicht etwa 25 Euro erwarten würde, liegt hier schnell bei 35 bis 39 Euro, und für ein Bier im Lokal kannst du durchaus 8 bis 11 Euro loswerden. Aix-les-Bains ist also nicht unbedingt der Ort, den ich jemandem empfehlen würde, der einen preiswerten Zwischenstopp am See sucht, sondern eher ein Urlaubsort, bei dem man vorher weiß, dass Unterkunft und Gastronomie ein ordentliches Loch ins Reisebudget knabbern können.

Trotzdem war es jetzt im September für mich angenehm voll, denn der Ort war lebhaft, ohne dieses schreckliche Hochsaison-Gefühl zu vermitteln, bei dem jeder freie Quadratmeter bereits von einem Handtuch, einem Kinderwagen oder einer Kühltasche besetzt ist. Wer völlige Einsamkeit sucht, wird an der Promenade von Aix-les-Bains wahrscheinlich nicht glücklich werden, aber ich mag es durchaus, wenn Menschen um mich herum sind, und gerade Anfang September fand ich die Mischung ausgesprochen angenehm.

Urlaub mit Hund in Aix-les-Bains: Der Hundestrand liegt tatsächlich direkt am Ort

Nun kommt etwas, wofür Aix-les-Bains von mir einen ziemlich dicken Pluspunkt bekommt, denn normalerweise bedeutet die Kombination aus schönem Strand und Hund ungefähr Folgendes: Die Menschen dürfen selbstverständlich an den schönen Strand direkt vor dem Hotel, während der Hundestrand irgendwo hinter dem Horizont liegt und du mit deinen Taschen, deiner Decke, Wasserflaschen und zwei erwartungsvollen Dackeln erst einmal ein bis drei Kilometer marschierst.

Die Dackel sind happy und dann bin ich das auch

Hier ist es erfreulicherweise anders.

Wenn du im Bereich des Grand Port beziehungsweise rund um Mémard wohnst, liegt eine Bademöglichkeit für Hunde unmittelbar am See, und sogar die offizielle Tourismusseite von Aix-les-Bains weist bei der Plage de Mémard ausdrücklich auf einen Hundestrand in unmittelbarer Nähe hin. Die überwachte Badezone selbst und die Hundebademöglichkeit solltest du dabei nicht miteinander verwechseln, denn rund um den Lac du Bourget unterscheiden sich die Hunderegeln je nach Strand und Gemeinde, und während der sommerlichen Badesaison sind Hunde an mehreren bewachten Stränden nicht erlaubt. (Aix-les-Bains Riviera des Alpes)

Anfang September habe ich das Ganze allerdings ausgesprochen entspannt erlebt, denn am Hundebereich waren die Hunde frei unterwegs, ohne dass daraus irgendein Chaos entstanden wäre, und genau diese unkomplizierte Atmosphäre hat mir dort besonders gut gefallen. Weil sich die örtlichen Regelungen ändern können und am Lac du Bourget tatsächlich von Strand zu Strand unterschiedlich sind, würde ich vor einer Reise trotzdem noch einmal die aktuelle Beschilderung vor Ort ansehen und nicht davon ausgehen, dass das, was am Hundestrand von Mémard erlaubt ist, automatisch für sämtliche Strände rund um den See gilt.

Dieses Wasser! Ich hätte niemals mit 26 Grad gerechnet

Was mich am Lac du Bourget wahrscheinlich am meisten überrascht hat, war das Wasser, denn ich hatte im Kopf natürlich einen französischen Alpensee und stellte mich entsprechend auf dieses klassische Erlebnis ein: Man geht mutig hinein, lächelt fünf Sekunden lang tapfer und fragt sich anschließend, warum die eigenen Füße plötzlich keine Verbindung mehr zum restlichen Körper haben.

Nichts davon.

Das Wasser war unglaublich warm, ungefähr 26 Grad, und ich glaube tatsächlich, dass ich abgesehen von einem Urlaub in der Toskana im August noch nie in meinem Leben in derart warmem Wasser gebadet habe. Der Unterschied zur Toskana bestand allerdings darin, dass ich hier gleichzeitig dieses wunderbar klare Bergseewasser hatte, sodass die Kombination fast ein bisschen unwirklich wirkte: Berge rundherum, klares Wasser unter einem und trotzdem eine Temperatur, bei der man einfach drinbleiben möchte.

Auch die Hunde fanden das großartig und waren entsprechend gerne im Wasser, wobei ich für einen Urlaub am Lac du Bourget trotzdem Badeschuhe einpacken würde. Es gibt sowohl am Ufer als auch im Wasser Steine und Kies, allerdings fand ich es keineswegs dramatisch, denn am ersten Tag bin ich komplett ohne Badeschuhe schwimmen gegangen und das ging problemlos. Ich habe an Seen in Bayern und anderen Gebirgsregionen schon wesentlich unangenehmere Einstiege erlebt, deshalb sind Badeschuhe hier für mich eher ein sehr angenehmes Extra als eine Ausrüstung, ohne die man keinen Fuß ins Wasser setzen könnte.

Schöne Sonnenuntergänge hat man hier auch

Was mich an den französischen Hundehaltern wirklich überrascht hat

Und weil ich nun einmal mit zwei Dackeln unterwegs bin und automatisch beobachte, was andere Menschen mit ihren Hunden machen, ist mir in Aix-les-Bains wieder etwas aufgefallen, das ich bereits aus Italien, Spanien und Korsika kannte.

Es hält sich ja hartnäckig das Gerücht, Franzosen seien gegenüber deutschen Urlaubern reserviert, wollten grundsätzlich nur Französisch sprechen und hätten wenig Lust, sich mit Menschen zu unterhalten, die ihre Sprache nicht beherrschen. Meine Erfahrung war genau das Gegenteil, denn ich habe die Franzosen hier als ausgesprochen freundlich, offen und gesellig erlebt, und obwohl mein Französisch über ein paar Wörter und Überlebensvokabeln kaum hinausgeht und viele meiner Gesprächspartner ebenfalls nur wenig Englisch sprachen, kam man trotzdem miteinander ins Gespräch.

Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst ziemlich gesellig bin, aber ich habe hier unglaublich nette Begegnungen gehabt, und irgendwann besteht die Unterhaltung eben aus einer wilden Mischung aus Französisch, Englisch, Händen, Füßen, Gesichtsausdrücken und gegenseitigem Erraten, worüber der andere gerade redet. Erstaunlicherweise klappt das ziemlich gut.

Noch interessanter fand ich allerdings das Verhalten der Hunde, denn nach deutschen Maßstäben würde ich bei vielen französischen Hunden vermutlich nicht unbedingt von beeindruckendem Grundgehorsam sprechen. Sitz, Platz oder perfektes Fußgehen scheint im normalen Alltag vieler Halter keine besonders hohe Priorität zu besitzen, und gleichzeitig sieht man erstaunlich viele Border Collies, Belgische Schäferhunde und andere Hunde, bei denen in Deutschland wahrscheinlich bereits beim bloßen Anblick irgendwo ein Mensch erklären würde, dass so ein Hund aber sehr viel Beschäftigung brauche.

Und trotzdem war die Stimmung mit den Hunden am Strand unglaublich entspannt.

Die Hunde lagen bei ihren Menschen auf den Decken, dösten vor sich hin, beobachteten die Umgebung und blieben dort auch dann ganz selbstverständlich liegen, wenn ihre Besitzer ins Wasser gingen. Ich habe keinen Hund erlebt, der bei jedem vorbeilaufenden Artgenossen hysterisch hochschoss, sich in die Leine warf oder lautstark verkündete, dass ihm der gesamte Strand persönlich gehört.

Wenn einer der Hunde aufstand, dann stand er eben auf, schlenderte ein bisschen herum, sah sich vielleicht einen anderen Hund an und ging irgendwann wieder zurück, und gerade dieses völlig unspektakuläre Miteinander fand ich unglaublich angenehm.

Dadurch konnte ich meinen eigenen Hunden ebenfalls mehr Freiheit lassen, denn natürlich lagen sie die meiste Zeit bei mir auf der Decke, weil sie genau das gewohnt sind, aber ich musste nicht permanent kontrollieren, ob einer von ihnen vielleicht einmal aufsteht und ein paar Meter herumläuft. Sie konnten ihre Umgebung anschauen, andere Hunde beobachten, ein Stück herumgehen und wieder zurückkommen, und niemand machte daraus ein Drama.

Das Interessante daran ist für mich gar nicht die Frage, ob französische Hunde nun besser oder schlechter erzogen sind, sondern dass das gesamte soziale Miteinander zwischen Menschen und Hunden dort viel weniger angespannt wirkte als an vielen Orten, die ich aus Deutschland kenne. Es schien weniger darum zu gehen, dass jeder Hund möglichst perfekt kontrolliert wird, und trotzdem entstand dadurch keineswegs mehr Chaos, sondern eher das Gegenteil.

Was du rund um Aix-les-Bains unternehmen kannst, wenn du nicht zwei Tage nur baden möchtest

Natürlich kannst du am Lac du Bourget erheblich mehr tun als ich, denn nur weil ich beschlossen hatte, zwei Tage lang hauptsächlich die Konsistenz meiner Stranddecke zu überprüfen, bedeutet das nicht, dass die Gegend nichts anderes zu bieten hätte.

Rund um Aix-les-Bains gibt es ein sehr gut ausgebautes Netz an Spazier- und Wanderwegen, und die Wege, in die ich mit meinen Hunden zumindest ein Stück hineingelaufen bin, waren hervorragend ausgeschildert. Für längere Touren kann ich aus eigener Erfahrung nichts Sinnvolles erzählen, weil Paul nicht mehr stundenlang laufen soll und ich deshalb bewusst nach ungefähr einer Stunde Schluss mache, aber wer gerne wandert, findet rund um den See und in den angrenzenden Bergen eine enorme Auswahl. Die Tourismusregion nennt unter anderem Wege Richtung Croix de Meyrieux, Col du Sapenay, Grotte aux Fées sowie verschiedene Touren ab Brison-Saint-Innocent und rund um Corsuet. (Aix-les-Bains Riviera des Alpes)

Noch größer ist die Auswahl auf dem Wasser, denn Aix-les-Bains ist sehr stark auf Wassersport und Bootsausflüge ausgerichtet. Du kannst Rundfahrten über den Lac du Bourget buchen, unter anderem in Richtung Abbaye d’Hautecombe und Canal de Savière, du kannst Boote mieten oder mit Kajak, Kanu beziehungsweise Stand-up-Paddle selbst losziehen, und an verschiedenen Stellen werden außerdem Tretboote und weitere Wassersportangebote vermietet. (Aix-les-Bains Riviera des Alpes)

Die andere Seite des Lac du Bourget sieht völlig anders aus

Von Aix-les-Bains aus blickst du über den See auf die deutlich wildere Westseite, an der die Berge stellenweise steil bis ans Wasser reichen, und optisch ist das natürlich spektakulärer als die flachere und stärker erschlossene Seite rund um Aix-les-Bains.

Zum klassischen Strandurlaub würde ich trotzdem eher die Aix-les-Bains-Seite wählen, denn an der gegenüberliegenden Küste gibt es zwar ebenfalls Badeplätze und sogar kleine natürliche Buchten, aber eben nicht diese langen, leicht zugänglichen Uferbereiche. Eine der bekannteren kleinen Naturbadestellen liegt beispielsweise bei Bourdeau in der Nähe der Grotte de Lamartine, während sich weiter nördlich unter anderem bei Châtillon und Conjux Kiesstrände finden. (Alti-Mag)

Wenn ich also vor allem schwimmen, mit den Hunden ans Wasser und möglichst unkompliziert vom Hotel zum See möchte, würde ich wieder die Seite von Aix-les-Bains wählen, während mich die andere Seeseite eher für einen Ausflug reizen würde.

Baden im Lac du Bourget im September: Für mich fast perfekt

Was ich Anfang September ebenfalls angenehm fand, war das völlige Fehlen dieser kleinen Dinge, die einen Badeurlaub mit Hund schnell etwas anstrengender machen können. Ich habe keine auffällige Belastung mit Mücken, Sandmücken oder anderem lästigem Getier erlebt, an meinen Hunden ebenfalls nichts festgestellt und deshalb auch den zusätzlichen Schutz, den ich für die Weiterreise nach Spanien dabeihabe, noch nicht eingesetzt.

Im Wasser habe ich weder störende Algen noch sonst irgendetwas entdeckt, das mir das Schwimmen verdorben hätte, sondern ich hatte schlicht klares, warmes Wasser vor mir und konnte ewig darin herumpaddeln. Bei Hunden würde ich allerdings grundsätzlich vor dem Baden auf aktuelle Hinweise zu Cyanobakterien achten, weil diese an Seen zeitweise auftreten können und für Hunde gefährlich sein können, auch wenn ich während meines Aufenthalts keinerlei entsprechenden Auffälligkeiten gesehen habe.

Und damit komme ich vermutlich zu meinem persönlichen Fazit über Aix-les-Bains: Der Ort ist teuer, erheblich teurer, als ich es für Frankreich erwartet hatte, und wer ein hübsches Hotel zum kleinen Preis, günstige Restaurantbesuche und ein Bier für fünf Euro sucht, sollte seinen Taschenrechner besser nicht zu Hause lassen.

Dafür bekommst du einen wunderschönen See, warmes und klares Wasser, eine beeindruckende Bergkulisse, sehr viele Möglichkeiten für Wassersport und Wanderungen und, wenn du mit Hund unterwegs bist, eine erstaunlich unkomplizierte Möglichkeit, direkt in Aix-les-Bains gemeinsam mit deinem Hund ans Wasser zu gehen.

Für mich waren diese zwei Tage genau richtig, weil ich ausnahmsweise einmal gar nicht das Gefühl hatte, irgendetwas ansehen oder erleben zu müssen. Ich hatte warmes Wasser, Berge vor der Nase, zwei zufriedene Dackel neben mir und nette Menschen um mich herum, und manchmal reicht das als Urlaubsprogramm vollkommen aus.

Oder anders gesagt: Ich war zwei Tage in Aix-les-Bains und habe fast nichts gemacht.

Ich würde es genauso wieder machen.


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Ich bin Daniela

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