Die schönsten Inseln und Halbinseln der Toskana – zwischen wildem Meer, Buchten und alten Küstenorten
Wer bei der Toskana zuerst an sanfte Hügel, Zypressenalleen, Weinberge und alte Bauernhäuser denkt, kennt nur eine Seite dieser außergewöhnlichen Region. Denn irgendwann hören die Hügel auf – und dahinter beginnt eine vollkommen andere Toskana.
Die Küste.
Und die kann erstaunlich wild sein. Felsige Vorgebirge ragen weit ins Tyrrhenische Meer hinaus, kleine Straßen schlängeln sich oberhalb steiler Küsten entlang, Pinienwälder reichen beinahe bis ans Wasser und vor der Küste liegen Inseln, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Elba ist groß, bergig und abwechslungsreich. Giglio wirkt wesentlich kleiner und ursprünglicher. Giannutri ist beinahe nur noch Natur. Capraia liegt einsam im Meer. Weiter südlich ragt der Monte Argentario wie eine eigene kleine Welt aus dem Wasser. Und rund um Baratti und Populonia findet man eine jener Landschaften, bei denen Natur und mehrere Jahrtausende Geschichte praktisch unmittelbar nebeneinanderliegen.
Wer die Toskana wirklich kennenlernen möchte, sollte deshalb irgendwann die Hügel hinter sich lassen und Richtung Meer fahren.
Der Toskanische Archipel – sieben große Inseln und ganz viel Meer
Vor der toskanischen Küste liegt der Toskanische Archipel, zu dem sieben größere Inseln gehören: Elba, Giglio, Capraia, Montecristo, Pianosa, Giannutri und Gorgona.
Gemeinsam mit zahlreichen kleineren Inseln und Felsen gehören sie zum Nationalpark Toskanischer Archipel, einem außergewöhnlichen Schutzgebiet aus Land und Meer.
Dabei sollte man sich die Inseln keineswegs als sieben Varianten derselben Landschaft vorstellen. Genau das Gegenteil ist der Fall.
Elba besitzt hohe Berge und erstaunlich grüne Täler. Capraia ist vulkanischen Ursprungs. Pianosa ist auffallend flach. Montecristo erhebt sich dagegen felsig und abgeschieden aus dem Meer. Giglio verbindet Granitberge mit kleinen Buchten und einem wunderschönen alten Bergdorf.
Gerade diese Unterschiede machen den Archipel so spannend.
Elba – eine kleine Insel, die erstaunlich groß wirkt
Elba ist die größte Insel des Toskanischen Archipels – und wahrscheinlich auch diejenige, auf der man am leichtesten mehrere Urlaubstage verbringen kann, ohne dass Langeweile aufkommt.
Die Insel liegt nur etwa zehn Kilometer vom italienischen Festland entfernt. Die meisten Besucher erreichen sie mit der Fähre von Piombino, häufig nach Portoferraio.
Berühmt wurde Elba natürlich durch Napoleon Bonaparte, der 1814 hierher verbannt wurde. Wer jedoch nur wegen Napoleon kommt, unterschätzt die Insel gewaltig.
Elba ist landschaftlich wunderschön.
Im Westen erhebt sich der Monte Capanne auf 1.019 Meter. Damit steht man auf einer Mittelmeerinsel plötzlich in einer richtigen Berglandschaft. An klaren Tagen reicht der Blick weit über das Meer und zu anderen Inseln des Archipels.
Dazwischen liegen kleine Orte, Kastanienwälder, mediterrane Macchia und eine Küste, die ständig ihr Gesicht verändert.
Manche Strände bestehen aus hellem Kies, andere aus Sand. An einigen Stellen fällt die Landschaft steil ins tiefblaue Meer ab, wenige Kilometer weiter öffnet sich wieder eine geschützte Bucht.
Besonders schön ist der Westen rund um Marciana, Marciana Marina, Sant’Andrea, Fetovaia und Cavoli.
Elba ist deshalb keine Insel, die man einfach nur „gesehen“ hat. Man kann hier morgens in den Bergen stehen, mittags durch ein kleines Hafenstädtchen laufen und einige Stunden später in einer stillen Bucht schwimmen.
Giglio – Granitberge mitten im Meer
Weiter südlich liegt die Isola del Giglio.
Sie ist deutlich kleiner als Elba und besitzt dadurch einen vollkommen anderen Charakter.
Schon die Ankunft mit der Fähre in Giglio Porto ist wunderschön. Kleine Häuser ziehen sich am Hafen entlang, Fischerboote liegen im Wasser und unmittelbar dahinter steigen die Berge an.
Im Inneren der Insel liegt Giglio Castello.
Der mittelalterliche Ort sitzt hoch über dem Meer und ist von einer alten Befestigungsmauer umgeben. Enge Gassen, Steinhäuser und kleine Durchgänge machen Giglio Castello zu einem dieser Orte, an denen man automatisch langsamer läuft.
Giglio besteht überwiegend aus Granit. Entsprechend felsig ist ein großer Teil der Küste.
Genau darin liegt aber ihr Reiz.
Zwischen den Felsen verstecken sich kleine Buchten, während das Wasser rund um die Insel häufig außergewöhnlich klar ist. Bekannt sind unter anderem die Strände Campese, Arenella und Cannelle.
Giglio fühlt sich weniger nach klassischem Badeurlaub und mehr nach kleiner Mittelmeerwelt an.
Meer, Granit, Macchia und darüber dieses uralte Dorf.
Viel mehr braucht es manchmal gar nicht.
Giannutri – wenn die Natur das Kommando übernimmt
Noch kleiner und wesentlich ruhiger ist Giannutri, die südlichste Insel des Toskanischen Archipels.
Die sichelförmige Insel ist nur wenige Quadratkilometer groß und weitgehend geschützt. Große Hotelanlagen, breite Straßen und klassische Ferienorte sucht man hier vergeblich.
Stattdessen gibt es felsige Küsten, mediterrane Vegetation und ein unglaublich klares Meer.
Und dann taucht mitten in dieser beinahe unberührten Landschaft plötzlich die Geschichte auf.
Auf Giannutri befinden sich die Überreste einer großen römischen Villa aus dem 2. Jahrhundert nach Christus, die gewöhnlich als Villa Domizia bezeichnet wird.
Genau diese Mischung macht die Insel faszinierend.
Man steht auf einer kleinen, heute weitgehend naturbelassenen Mittelmeerinsel und blickt auf Überreste einer römischen Luxusvilla. Vor fast 2.000 Jahren haben Menschen offenbar bereits verstanden, dass dieser Platz etwas Besonderes ist.

Capraia – die wilde Vulkaninsel
Wer eine möglichst ursprüngliche Mittelmeerinsel sucht, sollte sich Capraia ansehen.
Sie liegt weit draußen im Meer und ist vulkanischen Ursprungs. Schon dadurch unterscheidet sie sich deutlich von vielen anderen Landschaften des Archipels.
Die Küste ist teilweise schroff, das Hinterland dünn besiedelt und die Vegetation von mediterraner Macchia geprägt.
Besonders spektakulär ist die Cala Rossa im Süden der Insel. Dort zeigen rötliche und dunkle Gesteinsschichten noch deutlich den vulkanischen Ursprung Capraias.
Capraia ist keine Insel der großen Sehenswürdigkeiten.
Die Insel selbst ist die Sehenswürdigkeit.
Hierher fährt man wegen des Meeres, der Felsen, der Ruhe und wegen dieses wunderbaren Gefühls, ziemlich weit vom Rest der Welt entfernt zu sein.

Montecristo – die geheimnisvolle Insel
Kaum eine Insel des Archipels besitzt einen klangvolleren Namen als Montecristo.
Alexandre Dumas machte ihn mit seinem Roman „Der Graf von Monte Christo“ weltberühmt.
Die wirkliche Insel ist allerdings kein klassisches Urlaubsziel. Montecristo steht unter strengem Naturschutz, der Zugang ist stark reglementiert.
Und vielleicht trägt gerade das zu ihrem Mythos bei.
Die steile Granitinsel erhebt sich einsam aus dem Meer. Keine Strandpromenade, keine Ferienanlagen und kein typischer Inseltrubel.
Montecristo erinnert daran, dass es selbst mitten im touristisch intensiv genutzten Mittelmeer noch Orte gibt, an denen der Mensch nur Gast ist.
Baratti und Populonia – eine der schönsten Buchten der toskanischen Küste
Man muss allerdings keine Fähre nehmen, um eine der schönsten Küstenlandschaften der Toskana zu erleben.
Nördlich von Piombino liegt der Golfo di Baratti.
Die Bucht zieht einen weiten Bogen entlang der Küste. Dahinter stehen Pinien und mediterrane Vegetation, das Meer liegt geschützt davor und oberhalb erhebt sich das Vorgebirge von Populonia.
Allein landschaftlich wäre Baratti schon sehenswert.
Aber hier kommt etwas hinzu, das diesen Ort außergewöhnlich macht: die Etrusker.
Populonia war eine der bedeutenden etruskischen Städte und besaß durch seine Lage am Meer eine Besonderheit. Während viele große etruskische Zentren weiter im Landesinneren lagen, entwickelte sich hier ein wichtiges Zentrum der Metallverarbeitung und des Handels.
Noch heute lassen sich im Archäologischen Park von Baratti und Populonia Nekropolen und andere Zeugnisse dieser Vergangenheit entdecken.
Oben liegt das kleine Populonia mit seiner Festung.
Und dort sollte man sich unbedingt Zeit nehmen.
Denn vom Vorgebirge schaut man weit über das Tyrrhenische Meer. Bei guter Sicht erscheint am Horizont Elba.
Plötzlich versteht man auch geografisch, wie eng Festland und Inselwelt hier miteinander verbunden sind.

Die Halbinsel von Piombino – viel mehr als nur der Fährhafen nach Elba
Piombino wird von vielen Urlaubern hauptsächlich als Ausgangspunkt der Fähren nach Elba wahrgenommen.
Das ist ein bisschen schade.
Denn die Stadt liegt auf einem markanten Vorgebirge, das weit ins Meer hineinragt. Rundherum finden sich felsige Küstenabschnitte und immer wieder weite Ausblicke auf den Toskanischen Archipel.
Gerade die Verbindung mit Baratti und Populonia macht die Gegend interessant.
Man kann morgens zwischen etruskischen Gräbern stehen, später über das Meer nach Elba schauen und am Nachmittag irgendwo unter Pinien am Wasser sitzen.
Hier zeigt die Toskana ziemlich eindrucksvoll, dass ihre Geschichte keineswegs nur aus Renaissance, Florenz und mittelalterlichen Bergdörfern besteht.
Sie reicht wesentlich weiter zurück.
Monte Argentario – eine Halbinsel wie eine eigene Insel
Ganz im Süden der Toskana wartet schließlich eine Landschaft, die beinahe wie eine Insel wirkt: Monte Argentario.
Tatsächlich war Argentario ursprünglich eine Insel. Durch Sandablagerungen entstanden im Laufe der Zeit die sogenannten Tomboli, die das ehemalige Eiland heute mit dem Festland verbinden.
Dazwischen liegt die Laguna di Orbetello.
Schon auf der Karte sieht diese Landschaft ungewöhnlich aus. Vor Ort ist sie noch eindrucksvoller.
Der Monte Argentario steigt steil aus dem Meer auf. Seine höchste Erhebung erreicht über 600 Meter. Rundherum wechseln sich felsige Küsten, kleine Buchten und dicht bewachsene Hänge ab.
Die beiden bekanntesten Orte sind Porto Santo Stefano und Porto Ercole.
Porto Santo Stefano liegt auf der Nordseite und ist der größere Hafenort. Von hier fahren unter anderem Fähren nach Giglio.
Porto Ercole auf der anderen Seite ist kleiner und besitzt einen vollkommen anderen Charakter. Über dem Ort liegen alte spanische Festungen, während unten Boote im Hafen schaukeln.
Besonders schön ist aber die Landschaft zwischen den Orten.
Straßen führen teilweise hoch über der Küste durch Argentario. Immer wieder öffnen sich Ausblicke auf Felsen, Buchten und das offene Meer.
Das ist keine Landschaft, durch die man möglichst schnell hindurchfahren sollte.
Hier gehört das Anhalten dazu.

Orbetello – zwischen Meer und Lagune
Direkt hinter Argentario liegt Orbetello auf einer schmalen Landzunge mitten in der gleichnamigen Lagune.
Auch das ist eine Landschaft, die so gar nicht zum klassischen Bild der Toskana passen will.
Flaches Wasser, Schilf, Lagunenlandschaften und zahlreiche Wasservögel bestimmen das Bild. Teile des Gebietes stehen unter Naturschutz.
Damit liegen innerhalb weniger Kilometer vollkommen unterschiedliche Welten nebeneinander.
Auf Argentario fährt man durch felsiges Mittelmeergebirge. Kurz darauf steht man an einer stillen Lagune.
Gerade diese Kontraste machen den Süden der toskanischen Küste so spannend.

Punta Ala – grüne Hügel über blauem Meer
Zwischen Follonica und Castiglione della Pescaia liegt mit Punta Ala ein weiteres weit ins Meer ragendes Vorgebirge.
Die Landschaft ist wesentlich grüner als Argentario. Pinien, mediterrane Vegetation und bewaldete Hügel reichen bis in Küstennähe.
Punta Ala selbst ist heute ein eleganter Ferien- und Yachthafenort. Interessanter als der mondäne Charakter ist allerdings die Lage.
Von der Küste blickt man auf kleine vorgelagerte Inseln und über das offene Meer Richtung Elba.
Wer die Küste entlangfährt, merkt hier wieder, wie stark das Meer die Landschaft der westlichen Toskana bestimmt.
Die Toskana endet nicht hinter den Zypressenhügeln
Elba, Giglio, Giannutri, Capraia, Montecristo, Pianosa und Gorgona bilden gemeinsam einen Archipel. Trotzdem erzählt jede dieser Inseln eine andere Geschichte.
Und auch auf dem Festland setzt sich diese Vielfalt fort.
Baratti verbindet eine traumhafte Bucht mit etruskischer Geschichte. Piombino ragt wie ein Balkon ins Meer. Argentario verbindet Gebirge, Hafenorte und versteckte Buchten. Direkt dahinter liegt die stille Lagune von Orbetello.
Vielleicht ist genau das die größte Schönheit der toskanischen Küste.
Sie ist nicht perfekt glattgebügelt.
Sie besitzt Ecken und Kanten. Felsen, Wind und manchmal erstaunlich einsame Landschaften. Alte Festungen stehen über kleinen Häfen. Etruskische Gräber liegen wenige Schritte vom Meer entfernt. Hinter einer Kurve öffnet sich plötzlich der Blick auf eine Insel am Horizont.
Und irgendwann stellt man fest, dass die berühmten Zypressenhügel nur die eine Hälfte der Toskana erzählen.
Die andere beginnt dort, wo das Land aufhört.
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