
Costa Brava mit Hund: Mein erster Tag in Spanien und warum ich ausgerechnet in Empuriabrava gelandet bin
Nach einigen Tagen in Frankreich bin ich nun in Spanien angekommen. Genauer gesagt in Empuriabrava an der Costa Brava. Und eigentlich ist das schon ein kleiner Widerspruch in sich, denn normalerweise suche ich im Urlaub Orte, an denen möglichst wenig nach Stadt aussieht. Berge, kleine Dörfer, Natur, Wasser und mit meinen Hunden irgendwo herumstromern, das ist eher meine Welt.

Empuriabrava ist dagegen ziemlich eindeutig bebaut. Sehr sogar. Und trotzdem ertappe ich mich dabei, dass ich den Ort irgendwie mag.
Der Grund dafür schwimmt praktisch mitten hindurch: Wasser.
Empuriabrava besteht aus einem riesigen Netz von Kanälen. Mehr als 25 Kilometer davon ziehen sich durch den Ort, dazu kommen rund 5.000 Liegeplätze. Die offizielle Tourismusseite bezeichnet Empuriabrava sogar als größte Wohnmarina Europas.
Und damit erklärt sich auch mein erster Eindruck ziemlich gut: Das Ganze erinnert tatsächlich ein wenig an Amsterdam, nur dass jemand Amsterdam in die spanische Sonne gestellt, die Grachten verbreitert und anschließend eine beachtliche Menge Motorboote hineingesetzt hat.

Empuriabrava mit Hund: Warum ich hier überhaupt gelandet bin
Der eigentliche Grund für meinen Aufenthalt war allerdings weder Architektur noch Marina, sondern wesentlich bodenständiger:
Ich brauchte einen Strand, an den meine Hunde dürfen.
Wer im Sommer mit Hund an die Costa Brava reist, merkt ziemlich schnell, dass das keineswegs selbstverständlich ist. Einfach an irgendeine hübsche Bucht fahren, Handtuch ausbreiten und den Hund ins Mittelmeer schicken, ist während der Badesaison keine besonders gute Strategie. Viele Strände sind für Hunde gesperrt oder erlauben sie nur außerhalb der Saison.
Und genau deshalb ist Empuriabrava für einen Urlaub an der Costa Brava mit Hund interessant.
Hier liegt die Platja de la Rubina, einer der bekanntesten Hundestrände der Region und laut offizieller Tourismusseite sogar der erste Strand Spaniens, an dem ausdrücklich ein Bereich für Hunde eingerichtet wurde.
Das war für mich das entscheidende Argument.
Empuriabrava: ein bisschen Amsterdam unter spanischer Sonne
Wenn man Empuriabrava von oben betrachtet, versteht man den Ort wesentlich besser. Zwischen den Häuserzeilen liegen überall Kanäle, teilweise mit Bootsanlegern direkt vor den Häusern. Kleine Straßen führen über Brücken, dahinter beginnt schon der nächste Wasserarm.
Die Marina liegt an der Bucht von Roses und grenzt unmittelbar an den Naturpark Aiguamolls de l’Empordà. Mehr als 25 Kilometer schiffbare Kanäle durchziehen Empuriabrava. Kleine Boote kann man hier übrigens sogar ohne Bootsführerschein mieten.
Das erklärt gleichzeitig die ungewöhnliche Bebauung.
Viel Platz ist zwischen Straße, Kanal und nächstem Kanal nämlich nicht. Deshalb stehen die Häuser teilweise ziemlich dicht beieinander und wurden eher nach oben als großzügig in die Breite gebaut.
Wer hier große Grundstücke mit alten Olivenbäumen, üppige Gärten und viel Grün zwischen den Häusern erwartet, wird vermutlich kurz überprüfen wollen, ob das Navi vielleicht einen Scherz gemacht hat. Grünflächen innerhalb der Wohngebiete sind eher Mangelware.
Trotzdem finde ich die Bebauung nicht völlig hässlich. Viele Häuser haben noch diesen typisch mediterranen beziehungsweise spanischen Charakter. Kleine Balkone, Terrassen, warme Fassadenfarben, niedrige Stadthäuser und dazwischen immer wieder das Wasser.
Ich würde Empuriabrava deshalb nicht als zauberhaftes spanisches Bilderbuchstädtchen verkaufen. Dafür ist es zu dicht bebaut und zu stark touristisch geprägt.
Aber der Ort hat hübsche Momente.
Und manchmal reicht genau das.

Durch Empuriabrava schlendern
Man kann hier wunderbar einfach loslaufen und sich treiben lassen. Gerade die Straßen entlang der Kanäle finde ich wesentlich interessanter als die klassischen touristischen Bereiche.
Mal liegt vor einem Haus ein kleines Motorboot, dann wieder eine Yacht, ein paar Meter weiter führt eine Brücke über einen Kanal. Irgendwann landet man am Hafen oder am Meer.
Und genau dieses Wasser verändert die Atmosphäre der Stadt enorm.
Ohne die Kanäle wäre Empuriabrava vermutlich einfach eine ziemlich dicht bebaute Ferienanlage an der Costa Brava. Mit ihnen bekommt der Ort einen eigenen Charakter.
Dass Empuriabrava unmittelbar am Meer liegt, macht die Sache natürlich nicht schlechter. Von den Stränden schaut man über die Bucht von Roses und hat im Hintergrund die Berge. Gerade diese Kombination aus Mittelmeer und Bergkulisse gefällt mir ausgesprochen gut.
Der Hundestrand von Empuriabrava: Platja de la Rubina
Nun aber zu dem Teil, wegen dem ich überhaupt hierhergefahren bin.
Die Platja de la Rubina liegt zwischen Empuriabrava und Santa Margarida. Sie gehört zum Naturpark Aiguamolls de l’Empordà und unterscheidet sich deutlich von den stark bebauten Stadtstränden.
Die offizielle Costa-Brava-Seite beschreibt La Rubina als rund 1,8 Kilometer langen und etwa 70 Meter breiten Naturstrand mit feinem Sand, Dünen und Lagunenbereichen. Hunde sind allerdings nicht auf dem kompletten Strand erlaubt, sondern in dem ausgewiesenen Bereich am Ende Richtung Santa Margarida.
Und den habe ich natürlich mit meinen beiden Dackeln ausprobiert.

Mit dem Auto zum Hundestrand
Das Schöne: Man kann ziemlich unkompliziert mit dem Auto hinfahren.
Auch Parken war bei meinem Besuch kein Drama. Obwohl es voll war und wir noch mitten in einer sehr warmen Reisezeit unterwegs sind, waren ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden. Man muss unter Umständen ein Stück laufen, aber wir reden hier nicht von einer Expedition mit Proviant und Sherpa.
Auch offiziell wird auf Parkmöglichkeiten direkt in Strandnähe hingewiesen. Der Zugang soll über die gekennzeichneten Wege erfolgen, weil die Dünen geschützt beziehungsweise teilweise regeneriert werden.
Mit Hund finde ich das ausgesprochen angenehm. Gerade bei hohen Temperaturen möchte ich nicht erst kilometerweit über heißen Asphalt laufen, bevor überhaupt das Meer in Sicht kommt.
Wie voll ist der Hundestrand?
Voll.
Das kann man nicht anders sagen.
Interessanterweise war der Hundebereich bei meinem Besuch sogar deutlich voller als manche normalen Strandabschnitte daneben.
Aber ich fand es trotzdem völlig in Ordnung. Wer schon einmal an einem schönen Sommertag an der Ostsee war, kennt das Prinzip. Man liegt nicht allein auf einem menschenleeren Naturstrand und sinniert ungestört über den Sinn des Lebens, aber man bekommt durchaus noch sein Handtuch untergebracht.
Außerdem trifft man erstaunlich viele Deutsche. Wer also Angst hat, seinen Urlaub an der Costa Brava sprachlich komplett auf Spanisch oder Katalanisch bestreiten zu müssen, kann sich am Hundestrand vermutlich relativ schnell wieder über Dackel, Autofahrten, Ferienwohnungen und das Wetter unterhalten.

Wasserqualität am Hundestrand von Empuriabrava
Das Wasser hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Es war bei meinem Besuch warm, klar und sauber. Für die Hunde natürlich herrlich, gerade bei den derzeit hohen Temperaturen.
Ab und zu schwimmt eine Qualle vorbei. Zumindest die Exemplare, die ich gesehen habe, waren im klaren Wasser aber gut zu erkennen. Ich würde deshalb trotzdem immer kurz ins Wasser schauen, bevor der Hund begeistert hineinstürmt.
Was man ebenfalls wissen sollte: Der Hundestrand ist kein deutscher Rundum-sorglos-Hundepark mit Kotbeutelspender im Abstand von gefühlt 14 Metern.
Kotbeutel gehören ins eigene Gepäck.
Das klingt banal, aber wenn man aus Deutschland kommt, gewöhnt man sich erstaunlich schnell daran, dass irgendwo schon eine Hundestation stehen wird. Darauf würde ich mich hier nicht verlassen. Die offizielle Tourismusinformation weist ebenfalls ausdrücklich darauf hin, dass Hinterlassenschaften eingesammelt werden müssen.
Also Wasser für die Hunde, Kotbeutel, Sonnenschutz und möglichst etwas Schatten mitnehmen.
Bei der Hitze, die ich gerade habe, ist der Strand ohnehin eher ein Ort zum Baden als zum stundenlangen Herumliegen.
Costa Brava mit Hund: Es gibt tatsächlich noch weitere Hundestrände
Ich habe noch einmal genauer recherchiert, weil die Frage für eine Reise entlang der Costa Brava mit Hund natürlich interessant ist.
Und es gibt mehr Möglichkeiten, als man zunächst denkt.
Die offizielle Tourismusorganisation der Costa Brava nennt aktuell unter anderem Platja de les Portes in Colera, Platja de Sant Jordi in Llançà, Platja de la Ribera und Platja del Port de la Vall in Port de la Selva, Platja de la Rubina in Empuriabrava, Platja del Rec del Molí in L’Escala, Els Griells in L’Estartit, Platja Pere Grau in Palamós sowie eine kleine Hundebucht bei Sant Feliu de Guíxols. Bei Els Griells müssen Hunde angeleint bleiben, und die sehr kleine Hundebucht bei Sant Feliu hat sogar eine Begrenzung der gleichzeitig anwesenden Hunde.
Besonders interessant finde ich Port de la Selva, weil es dort gleich zwei Möglichkeiten gibt und die Gegend landschaftlich schon stark Richtung Cap de Creus geht. Auch L’Escala klingt für Hundehalter gut: Der ausgewiesene Bereich am Rec del Molí ist klar abgegrenzt und es gibt einen großen Parkplatz.
Man muss also nicht zwingend nach Empuriabrava. Aber die Platja de la Rubina ist durch ihre Größe und die vergleichsweise unkomplizierte Erreichbarkeit schon eine ziemlich gute Adresse.
Und außerhalb der Hauptsaison wird die Auswahl größer
Das ist für mich besonders interessant, weil ich Spanien auch außerhalb des Sommers kenne.
Außerhalb der Badesaison werden die Regeln teilweise deutlich lockerer. Nach Angaben der offiziellen Costa-Brava-Tourismusseite dürfen Hunde beispielsweise in Palamós auf einen Abschnitt der Platja Gran vom 1. November bis 15. März. In Tossa de Mar werden Hunde von November bis März an den Stränden zugelassen. In Lloret de Mar gelten entsprechende Möglichkeiten an Teilen von Fenals und der Platja de Lloret vom 16. Oktober bis 14. März.
Das ist ein erheblicher Unterschied zum Sommer.
Wer also mit Hund im Oktober, November oder über den Winter an die Costa Brava fährt, hat wesentlich mehr Auswahl.
Cadaqués mit Hund: Im Winter eine völlig andere Costa Brava
Ich kenne die Gegend übrigens schon aus einer ganz anderen Jahreszeit.
Letztes Jahr war ich im Dezember in Cadaqués
Dort war ich heute auch wieder, aber nicht in der Stadt,,sondern ich bin mit dem Bus hoch gefahren zum Cap de Creus. Mit dem Auto ist das nicht erlaubt. Die Busfahrt kostet 7€ die gut investiert waren; sehr selber wie schön es dort ist:

Und Winter und Spätsommer beziehungsweise früher Herbst sind an der Costa Brava fast zwei verschiedene Welten.
Im Dezember fallen viele der sommerlichen Strandprobleme weg. Es ist ruhiger, man kann viel besser laufen und mit Hund wird die Küste wesentlich unkomplizierter.
Gerade die Gegend um Cadaqués und das Cap de Creus gehört für mich landschaftlich ohnehin noch einmal in eine andere Liga. Empuriabrava gewinnt nicht den Wettbewerb um das schönste Dorf der Costa Brava. Gegen Cadaqués würde ich es ehrlich gesagt gar nicht erst antreten lassen.

Aber darum geht es auch nicht.
Empuriabrava ist praktisch, lebendig, direkt am Meer und für einen Aufenthalt mit Hund erstaunlich angenehm.
Spanien ist irgendwie entspannt
Was mir schon bei meiner letzten Spanienreise aufgefallen ist und jetzt wieder auffällt: Ich empfinde Spanien im Alltag als erstaunlich entspannt.
Und zwar nicht im Sinne von völlig chaotisch.
Eher im Gegenteil.
Die Leute halten an roten Ampeln. Wer falsch parkt, muss offenbar tatsächlich damit rechnen, ein Ticket zu bekommen, weshalb deutlich weniger kreativ geparkt wird, als ich es aus manchen anderen südlichen Ländern kenne. Müll landet überwiegend dort, wo Müll hingehört.
Natürlich ist hier nicht alles picobello.
Wir sind im Süden. Manches ist ein bisschen einfacher, manches etwas improvisierter, und bei meiner derzeitigen Ferienwohnung würde ich sagen: Das Preis-Leistungs-Verhältnis und mein persönliches Wohlfühl-Niveau haben sich bislang noch nicht miteinander angefreundet.
Billig war sie nämlich nicht.
Dafür habe ich Ameisen.
Urlaub mit Hund und Ameisen: ein bislang unterschätztes Reisethema
Die Ameisen haben selbstverständlich sofort erkannt, dass zwei Dackel eingezogen sind und damit das kulinarische Angebot des Hauses schlagartig verbessert wurde.
Hundefutter herumstehen lassen?
Keine besonders brillante Idee.
Sobald etwas Essbares herumliegt, findet es die örtliche Ameisenabteilung offenbar schneller als meine Hunde. Das macht die Fütterung etwas umständlicher.
Immerhin halten sie sich überwiegend in bestimmten Bereichen der Wohnung auf und veranstalten keine flächendeckende Hausbesetzung.
Damit kann ich leben.
Am Strand gibt es dafür erstaunlich viele Wespen. Das hatte ich so ebenfalls noch nicht erlebt. Allerdings sind sie bislang nicht aggressiv und interessieren sich eher für ihre eigenen Angelegenheiten.
Man lernt auf Reisen schließlich immer etwas Neues.
Diesmal lautet die Lektion offenbar: Dackelfutter niemals unbeaufsichtigt in Reichweite spanischer Ameisen stehen lassen.
Ist Empuriabrava mit Hund empfehlenswert?
Nach meinem ersten Tag würde ich sagen: Ja, wenn man weiß, was man bekommt.
Wer ein romantisches katalanisches Fischerdorf mit verwinkelten historischen Gassen sucht, sollte weiterfahren.
Wer dagegen mit Hund an die Costa Brava möchte, einen guten Zugang zum Meer braucht und gleichzeitig einen lebendigen Ferienort angenehm findet, für den ist Empuriabrava ziemlich interessant.
Die Stadt ist dicht bebaut. Sehr dicht sogar. Aber die vielen Kanäle nehmen ihr viel von der üblichen Ferienort-Tristesse. Das Wasser ist praktisch überall präsent, das Meer liegt direkt vor der Tür und im Hintergrund stehen die Berge.
Dazu kommt mit der Platja de la Rubina einer der interessantesten Hundestrände der Costa Brava.
Und damit hat Empuriabrava etwas geschafft, womit ich vorher überhaupt nicht gerechnet hatte:
Ich bin Stadtmuffel, stehe mitten in einer ziemlich dicht bebauten Ferienmarina und denke trotzdem:
Kann man machen. Sogar ziemlich gut.
Für einen ersten Tag in Spanien ist das doch schon mal eine ordentliche Bilanz.







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