Magische Momente

Lac du Maroly bei Le Grand-Bornand: Für mich die schönste Bergsee-Kulisse der Alpen

Es gibt Orte, die sind schön, man macht ein paar Fotos, schaut noch einmal zurück und fährt zufrieden weiter. Und dann gibt es Orte, bei denen man ankommt, stehen bleibt und erst einmal gar nicht so recht weiß, wohin man schauen soll, weil die Landschaft ringsherum dermaßen spektakulär ist, dass ein einzelner Blick überhaupt nicht ausreicht. Der Lac du Maroly bei Le Grand-Bornand gehört für mich ganz eindeutig zur zweiten Sorte, und nachdem ich inzwischen wirklich einige beeindruckende Berglandschaften gesehen habe, würde ich sogar noch weitergehen: Die Stimmung rund um diesen kleinen Bergsee gehört für mich zu den schönsten, die ich bisher irgendwo in den Alpen erlebt habe.

Und das sagt jemand wie ich, der den Königssee, den Pragser Wildsee ,

diese ganzen magischen Seen im Trentino, die schönsten Seen in Norditalien , den Dürrensee und den atemberaubenden Eibsee gesehen hat.

Eigentlich war der Lac du Maroly ursprünglich gar nicht als großes Tageshighlight geplant. Ganz im Gegenteil, wir hatten wieder einen dieser absurd heißen Tage erwischt, an denen selbst in den französischen Alpen Temperaturen herrschten, bei denen man normalerweise eher über Schatten, Wasser und möglichst wenig Bewegung nachdenkt als über ausgedehnte Wanderungen. Also sollte es ein See werden, irgendwo oben in den Bergen, an dem wir ein wenig laufen und vor allem mit den Hunden ans Wasser konnten. Unsere Wahl fiel auf den Lac du Maroly oberhalb von Le Grand-Bornand und Chinaillon, und ich hatte durchaus damit gerechnet, dass es dort hübsch sein würde. Womit ich nicht gerechnet hatte, war diese Landschaft.

Und das dieser kleine See mitten in diesen riesigen Bergen mich so extrem vom Hocker haut.

Lac du Maroly: Schon der Weg dorthin ist Teil des Erlebnisses

Je höher man in das Gebiet von Maroly hineinkommt, desto stärker verändert sich die Umgebung. Das quirlige Tal bleibt zurück, die Bergwelt öffnet sich immer weiter und irgendwann steht man mitten in einer riesigen Hochalmlandschaft, über der die grauen, zerklüfteten Gipfel der Aravis aufragen. Der Tourismusverband von Le Grand-Bornand bezeichnet bereits den Maroly-Sektor auf rund 1.750 Metern als einen der schönsten Aussichtspunkte des Massivs, mit Blick unter anderem auf den Col des Annes, die Chaîne des Aravis, den Mont Lachat, Roc des Tours, Pic de Jallouvre und Pointe Blanche. Das klingt in einer Beschreibung eindrucksvoll, aber vor Ort versteht man erst, was damit gemeint ist. 

Man läuft nicht einfach auf einen See zu, der irgendwo zwischen ein paar Bergen liegt. Vielmehr scheint die gesamte Landschaft auf einmal größer zu werden. Breite grüne Hänge ziehen sich durch das Maroly-Tal, darüber stehen diese gewaltigen hellgrauen Felsformationen, und dazwischen liegt plötzlich das tiefblaue Wasser des Lac du Maroly.

Sorry fürs gekeuche 🤣😅geht hier ja immer Bergauf irgendwie

Und genau diese Kombination macht den Ort für mich so außergewöhnlich. Es ist nicht allein der See, denn wenn man den Lac du Maroly aus seiner Umgebung herausschneiden und irgendwo anders hinsetzen würde, wäre er vermutlich einfach ein schöner kleiner Bergsee. Es ist diese Bühne ringsherum, die ihn besonders macht: das offene Hochplateau, die riesigen Berge, die grünen Almflächen, die Wege, die sich durch die Landschaft ziehen, und darüber dieser gewaltige Himmel, unter dem der See beinahe ein wenig verloren aussieht.

Ein Bergsee, bei dem die Landschaft die Hauptrolle spielt

Ich habe schon viele Seen in den Bergen gesehen, darunter größere, türkisere und sicherlich auch berühmtere. Aber darum geht es beim Lac du Maroly überhaupt nicht. Ich könnte nicht einmal sagen, dass der See selbst spektakulärer wäre als alle anderen Bergseen, die ich bisher besucht habe. Die gesamte Bergsee-Stimmung ist es.

Man steht dort und hat dieses unglaubliche Gefühl, vollkommen mitten in den Bergen zu sein, ohne dass die Landschaft eng oder bedrückend wirkt. Im Gegenteil, rund um Maroly ist alles weit und offen, und gleichzeitig stehen die Felsen so präsent im Hintergrund, dass man ihre Größe beinahe körperlich wahrnimmt. Je nachdem, von welcher Seite man auf den See blickt, verändert sich das Bild ständig, und irgendwann ertappt man sich dabei, zum ungefähr fünfzehnten Mal nahezu dasselbe Foto zu machen, weil es drei Meter weiter selbstverständlich schon wieder vollkommen anders aussieht.

Natürlich weiß man später beim Durchsehen der Bilder nicht mehr, weshalb man 47 Fotos von einem See besitzt.

Vor Ort erschien jedes einzelne davon zwingend notwendig.

Die Bilder gaben es gar nicht genug her, wie traumhaft schön es tatsächlich war

Trotz Hitze war die Wanderung jede Minute wert

Ausgerechnet an unserem Besuchstag war es wieder ausgesprochen heiß, und wir hatten den See ja gerade deshalb ausgesucht, weil wir mit den Hunden irgendwo ans Wasser wollten. Eine lange, anstrengende Bergtour kam bei diesen Temperaturen ohnehin nicht infrage, und genau darin liegt ein weiterer Reiz des Maroly-Gebiets: Man kann hier je nach Ausgangspunkt und Lust sehr unterschiedliche Strecken wählen, ohne zwingend eine große alpine Wanderung daraus machen zu müssen.

Hier im Video noch ein rundumblick

Eine offizielle leichte Wanderroute startet beispielsweise am Parkplatz Les Bouts auf etwa 1.400 Metern und führt über die Almen und Bauernhöfe von Maroly. Diese Runde ist 4,8 Kilometer lang, umfasst knapp 200 Höhenmeter und wird mit ungefähr 1 Stunde 45 Minuten angegeben.  Daneben gibt es längere Varianten, die den Lac du Maroly mit dem Lac de la Cour und höheren Abschnitten verbinden; eine ausgeschilderte Route des Tourismusverbandes führt beispielsweise vom Bereich Rosay zunächst zum Lac de la Cour und anschließend weiter am Lac du Maroly entlang. 

Man muss hier also keineswegs den halben Alpenhauptkamm überqueren, um diese Landschaft erleben zu können, und das finde ich ausgesprochen angenehm. Gerade wenn man mit Hund unterwegs ist oder bei großer Hitze nicht mehrere hundert Höhenmeter am Stück bewältigen möchte, lässt sich der Ausflug gut an die eigenen Möglichkeiten anpassen.

Lac du Maroly mit Hund

Mit Hund ist die Gegend für mich besonders reizvoll, weil man nicht nur einen Aussichtspunkt anfährt, fünf Minuten aus dem Auto steigt und anschließend wieder weiterfährt, sondern tatsächlich ein Stück durch diese Hochalmlandschaft laufen kann. Allerdings ist Maroly eben auch Almgebiet, und entsprechend gehören Kühe, Weidetiere und im Sommer teilweise auch Herdenschutzhunde zur Bergwelt dazu. Deshalb würde ich einen Hund hier nicht unkontrolliert durch die Wiesen laufen lassen, sondern ihn insbesondere in der Nähe von Herden bei mir behalten.

An einem heißen Tag sollte außerdem selbstverständlich Wasser für den Weg dabei sein, auch wenn das eigentliche Ziel ein See ist. Gerade in dieser Höhe unterschätzt man die Sonne schnell, weil ein leichter Wind und die Bergluft die Temperaturen angenehmer erscheinen lassen können, als sie tatsächlich sind.

Bei uns war von angenehmer Bergfrische jedenfalls wenig zu spüren. Es war heiß. Sehr heiß. Und trotzdem würde ich diesen Ausflug jederzeit wieder machen.

Ist der Lac du Maroly der schönste Bergsee bei Le Grand-Bornand?

Ob er objektiv der schönste ist, kann man vermutlich stundenlang diskutieren, zumal in der Umgebung mit Lac de la Cour, Lac de Lessy und zahlreichen kleineren Bergseen noch einige ernsthafte Konkurrenten liegen.

Lac de Cour hatten wir Samstag angeschaut, auch schon irre schön, aber kein vergleich zu dem hier.

Für mich persönlich ist die Sache allerdings ziemlich eindeutig.

Der Lac du Maroly war mein bisheriges landschaftliches Highlight rund um Le Grand-Bornand.

Und nicht nur das. Wenn ich alle Bergseen zusammennehme, die ich bisher auf meinen Reisen gesehen habe, dann gehört dieser Ort für mich ganz nach oben. Nicht, weil hier irgendein einzelnes Naturphänomen besonders spektakulär wäre, sondern weil sich alles zu einem Gesamtbild zusammensetzt, das beinahe unwirklich schön aussieht. Wasser, Almwiesen, gewaltige Felswände, offene Weite und diese typische Hochgebirgslandschaft der Aravis greifen so perfekt ineinander, dass man sich schwer vorstellen kann, wie es noch schöner werden soll.

Vielleicht wird irgendwann ein anderer Bergsee kommen und den Lac du Maroly von meinem persönlichen ersten Platz schubsen.


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