
Morgenimpressionen aus Le Chinaillon: hübsch, hoch gelegen und mit Hund ein bisschen speziell
Heute Morgen haben wir uns Le Chinaillon endlich einmal in Ruhe angesehen. Nicht nur aus dem Autofenster, nicht nur auf dem Weg zu irgendeinem Ausflugsziel, sondern wirklich den Ort selbst. Und dabei bestätigt sich mein erster Eindruck: Es ist ausgesprochen hübsch hier oben. Viel Holz, viele Chalets, ringsherum Berge und morgens diese klare Bergluft, bei der man sofort das Gefühl hat, der Tag könne eigentlich gar nicht schlecht werden.

Le Chinaillon gehört zu Le Grand-Bornand und liegt auf ungefähr 1.300 Metern Höhe. Der Ort ist stark vom Wintersport geprägt. Tatsächlich entstand der modernere Teil vor allem ab den 1950er-Jahren mit dem Aufschwung des Skitourismus. Entlang der Straße Richtung Col de la Colombière liegen heute Ferienwohnungen, Geschäfte und touristische Infrastruktur. Gleichzeitig gibt es mit dem Vieux Chinaillon aber noch einen alten Dorfkern mit teilweise jahrhundertealten Holzchalets. Die kleine Kapelle dort stammt ursprünglich aus dem Jahr 1677.
Das erklärt auch ganz gut, warum der Ort gleichzeitig sehr ursprünglich und trotzdem eindeutig nach Skigebiet aussieht.

Morgendliche Hunderunde: Landschaft traumhaft, Spazierweg Fehlanzeige
Für Urlaub mit Hund muss ich allerdings gleich eine kleine Einschränkung machen.
Wer morgens die Haustür aufmachen und gemütlich zwanzig oder dreißig Minuten über einen hübschen ebenen Spazierweg laufen möchte, wird zumindest in unserem Bereich von Le Chinaillon nicht besonders verwöhnt. Solche klassischen Gassiwege haben wir nicht gefunden.
Unsere Morgenrunde führt deshalb einfach durch die kleinen Straßen des Ortes. Das ist jetzt kein Drama. Der Verkehr hält sich morgens in Grenzen, es gibt reichlich zu gucken und für eine kurze Runde zum Wachwerden reicht es vollkommen.
Aber ich würde Le Chinaillon eben nicht wegen der Möglichkeit buchen, direkt von der Ferienwohnung aus wunderbar mit dem Hund spazieren zu können.

Für einen richtigen Tagesausflug sieht die Sache wieder anders aus.
Denn ich muss meine erste Vermutung korrigieren: Le Chinaillon ist durchaus ein Wandergebiet. Der Tourismusverband weist mehrere Wanderwege aus, darunter eine Strecke vom alten Chinaillon hinunter nach Le Grand-Bornand. Sie führt durch Almwiesen und Wald und bietet Ausblicke auf Mont Lachat und die Aravis-Kette. Hunde dürfen dort mit, müssen wegen der Weidetiere allerdings an die Leine.
Der Unterschied ist eher: Das sind richtige Bergwanderwege. Für unsere morgendliche Paul-Runde ist das etwas völlig anderes als ein bequemer Weg, der direkt durch oder um den Ort führt.
Und da Paul keine langen Strecken mehr laufen kann, ist genau diese Unterscheidung für uns ziemlich wichtig.
Le Chinaillon ist vor allem ein Skigebiet
Was man sofort erkennt: Hier wird im Winter Ski gefahren. Und zwar ordentlich.
Die Hänge rund um den Ort sind voller Liftanlagen und Skipisten. Im Sommer verändert sich deren Funktion natürlich, einige Bahnen werden dann für Wanderer und Ausflügler eingesetzt.
Direkt oberhalb von Le Chinaillon startet beispielsweise der Sessellift Lachat auf etwa 1.445 Metern. Er bringt Besucher hinauf zum Mont Lachat auf rund 2.050 Meter. Von dort soll man einen fantastischen Rundblick auf das Bargy-Massiv, die Aravis-Kette und bei gutem Wetter sogar auf den Mont Blanc haben.
Und jetzt kommt für uns ein ausgesprochen interessanter Zufall: Ausgerechnet dieses Wochenende, am 5. und 6. September 2026, läuft der Sessellift noch einmal. Normalerweise endet der durchgehende Sommerbetrieb bereits Ende August, aber für dieses Wochenende gibt es noch einmal Sonderöffnungszeiten.
Das könnten wir uns also tatsächlich noch ansehen.
Noch interessanter für Hundebesitzer: Laut Betreiber sind Hunde grundsätzlich auf den Sommer-Bergbahnen erlaubt. Sie müssen angeleint sein, und das Personal entscheidet abhängig von Hundegröße und Auslastung über die Beförderung.
Das werde ich mir für Paul auf jeden Fall noch genauer anschauen.
Und warum eigentlich Le Chinaillon, aber La Clusaz?
Seit wir hier unterwegs sind, fällt mir ständig etwas auf: Le Grand-Bornand. Le Chinaillon. Aber La Clusaz.
Warum eigentlich?
Das Französische verteilt schließlich nicht heimlich morgens männliche und weibliche Namensschildchen an seine Dörfer.
Ganz willkürlich ist es tatsächlich nicht.
Bei französischen Ortsnamen, die bereits einen bestimmten Artikel im offiziellen Namen tragen, gehört dieser Artikel fest zum Ortsnamen. Deshalb heißt es Le Grand-Bornand, Le Chinaillon oder La Clusaz.
Der Artikel kann dabei auf die ursprüngliche Bedeutung des Namens zurückgehen. Viele Ortsnamen sind aus alten Landschaftsbezeichnungen, Flurnamen, Geländebezeichnungen oder anderen Substantiven entstanden. Und diese Wörter hatten im Französischen beziehungsweise in älteren regionalen Sprachen bereits ein grammatisches Geschlecht.
Bei La Clusaz beispielsweise hängt der Name mit einem alten Wort für eine Engstelle beziehungsweise einen Durchgang zwischen Bergen zusammen. Dieses zugrunde liegende Wort war feminin. Also blieb daraus La Clusaz.
Bei anderen Ortsnamen hat sich entsprechend ein männlicher Artikel erhalten.
Interessanterweise gibt es für französische Städtenamen ohne Artikel gar keine einfache allgemeine Geschlechtsregel. Die Académie française schreibt selbst, dass das Geschlecht von Städtenamen keiner präzisen Regel folgt. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird häufig das Maskulinum benutzt, während in literarischer Sprache auch das Femininum vorkommt, weil gedanklich la ville, also „die Stadt“, ergänzt wird.
Kurz gesagt:
Bei La Clusaz oder Le Chinaillon ist es nicht nach Schnauze. Der Artikel ist historischer Bestandteil des Namens. Bei Paris, Lyon oder Marseille wird es dagegen deutlich französischer: Da wird die Sache plötzlich weniger eindeutig.

Typisch Frankreich. Selbst Ortsnamen brauchen gelegentlich eine kleine philosophische Debatte. 😄
Mein Eindruck von Le Chinaillon am Morgen
Nach unserer ersten richtigen Erkundungsrunde würde ich Le Chinaillon so beschreiben:
Es ist kein klassisches Dorf zum stundenlangen Flanieren. Dafür ist es zu sehr Berg- und Wintersportort. Die Gebäude ziehen sich entlang der Straße und an den Hängen entlang, dazwischen liegen die Liftanlagen und Skipisten.
Aber es ist trotzdem sehr schön.
Vor allem die Lage ist fantastisch. Überall schaut irgendwo ein Berg hervor, die alten Holzhäuser passen wunderbar in die Landschaft und morgens wirkt der Ort angenehm ruhig.
Wer hier Urlaub macht, sollte allerdings wissen, worauf er sich einlässt. Für mich ist Le Chinaillon eher ein Ausgangspunkt für Unternehmungen als ein Ort, an dem ich den ganzen Tag bleiben würde.
Mit Hund bedeutet das: Für die schnelle Morgenrunde muss man ein bisschen improvisieren. Für richtige Wanderungen gibt es dagegen durchaus Möglichkeiten, wobei Leinenpflicht wegen der vielen Weidetiere eine Rolle spielt.

Und für uns ist das eigentlich eine ziemlich gute Kombination. Morgens kurz durchs Dorf, danach Hund und Mensch ins Auto und los.
Denn dafür liegt Le Chinaillon wiederum sensationell.
Nach La Clusaz, zum Col de la Colombière, Richtung Le Grand-Bornand oder hinaus zu den vielen anderen Zielen in den Bergen braucht man nicht lange. Und ehrlich gesagt ist gerade dieses morgendliche Gefühl ziemlich schön: Man schaut aus dem Fenster auf die Berge und hat mehrere Richtungen zur Auswahl.
Die schwierigste Entscheidung lautet hier weniger „Was machen wir heute?“
Sondern eher:
„Auf welchen Berg fahren wir zuerst?“ ⛰️
Und davon gibt es erfreulich viele.







Hinterlasse einen Kommentar