
Le Grand-Bornand und La Clusaz mit Hund: Unser erster Tag in den Bergen oberhalb von Annecy
Manchmal merkt man schon nach wenigen Stunden, dass man bei einer Reise gerade einen Volltreffer gelandet hat. Genau dieses Gefühl hatte ich an unserem ersten Tag oben in den Bergen hinter Annecy. Die Tage zuvor hatte ich noch unten am Wasser verbracht, erst am Lac d’Annecy und anschließend in Aix-les-Bains am Lac du Bourget. Beides schön, keine Frage. Gerade bei über 30 Grad ist ein See natürlich Gold wert, und mit Hunden sowieso. Aber nachdem wir von Annecy aus immer weiter hinauf in die Berge gefahren waren, war mein erster Gedanke ziemlich eindeutig: Warum wusste ich vorher nicht, wie traumhaft es hier oben ist?

Unsere Ferienwohnung liegt in Le Chinaillon, dem höher gelegenen Ortsteil von Le Grand-Bornand auf rund 1.300 Metern. Schon die Fahrt dorthin verändert die Landschaft völlig. Aus dem sommerlich heißen Seeurlaub wird innerhalb erstaunlich kurzer Zeit eine richtige Bergwelt mit grünen Hängen, dunklen Wäldern, Chalets und diesen hellen, schroffen Kalkbergen, die überall hinter den Häusern hervorragen. Le Chinaillon liegt dabei nicht einfach mitten „in den Aravis“, wie man bei einem schnellen Blick auf die touristischen Beschreibungen vielleicht meinen könnte. Von hier blickt man auf verschiedene Gebirgszüge der Umgebung, unter anderem auf die Aravis und das Bargy-Massiv. Gerade dieser Wechsel zwischen den weicheren Almflächen und den abrupten Felsformationen macht die Landschaft so beeindruckend.

Erst einmal mussten die Hunde ins Wasser
Bei mehr als 30 Grad stand für uns am ersten Tag allerdings keine ambitionierte Bergtour auf dem Programm. Das Wichtigste war zunächst sehr viel profaner: Die Hunde mussten runtergekühlt werden.
Mittlerweile waren auch Sabrina und Ludwig angekommen, und gemeinsam fuhren wir wieder ein Stück hinunter in Richtung Thônes, das auf der Strecke zwischen Annecy und den Bergorten Le Grand-Bornand und La Clusaz liegt. Wer von Annecy hier hinauffährt, kommt genau durch diese Gegend, bevor sich die Straßen später Richtung Saint-Jean-de-Sixt und zu den verschiedenen Bergorten verzweigen.

Dort hatten wir uns einen Wasserfall ausgesucht. Und damit begann der Teil des Tages, bei dem ein normaler Mensch vermutlich irgendwann gesagt hätte: „Wir gehen jetzt einfach denselben Weg zurück.“
Wir nicht.
Die Hunde konnten wunderbar ins Wasser, was bei dieser Hitze genau das Richtige war, und wir hatten eine Menge Spaß. Beim Rückweg stellte sich allerdings heraus, dass unsere gewählte Variante durch die Landschaft ein klein wenig weniger komfortabel war als gedacht. Es gab Büsche. Viele Büsche. Teilweise mit Dornen. Und stellenweise mussten wir die Hunde darüberheben, während wir selbst versuchten, möglichst elegant hindurchzukommen.
„Elegant“ ist in diesem Zusammenhang allerdings eher großzügig ausgelegt.
Am Ende hatten wir ein paar Kratzer mehr als vorher, aber genau solche Geschichten gehören für uns irgendwie dazu. Normale Wanderwege können schließlich auch ausgesprochen langweilig sein. Und weil Paul aufgrund seiner kaputten Hüften ohnehin keine langen Strecken mehr laufen kann, bestehen unsere Ausflüge inzwischen häufiger aus kurzen Etappen, dafür darf die eine oder andere davon ruhig ein bisschen abenteuerlicher werden.
So bekommt man auch auf wenigen hundert Metern erstaunlich viel Erlebnis untergebracht.
Danach bitte etwas gepflegter: La Clusaz
Nach unserer kleinen Expedition durch die Botanik war uns anschließend eher nach der zivilisierten Variante von Bergurlaub. Also fuhren wir nach La Clusaz.
Und dieser Ort hat mich wirklich erwischt.
La Clusaz liegt auf rund 1.040 Metern Höhe und gehört zu den bekannten Berg- und Wintersportorten der Haute-Savoie. Der Name geht übrigens auf „cluse“ zurück, also einen Durchgang beziehungsweise eine Engstelle zwischen Bergen. Landschaftlich liegt das Dorf unmittelbar an der Aravis-Kette, und rundherum ziehen sich die verschiedenen Bergbereiche Balme, Aiguille, Étale und Beauregard hinauf.
Das Interessante ist: La Clusaz ist keineswegs irgendein verschlafenes Bergnest. Hier gibt es gute Hotels, Restaurants, Geschäfte, hochwertige Chalets und einiges an mondänem Bergurlaub. Trotzdem wirkt der Ort nicht wie eine künstlich hingestellte Ferienanlage. Die Häuser, die Kirche, die engen Straßen und dahinter diese gewaltigen Berge ergeben zusammen ein Ortsbild, bei dem man ständig irgendwo stehenbleiben möchte.
Und nach dem ersten Besuch muss ich tatsächlich sagen: Hätte ich La Clusaz vorher gekannt, hätte ich möglicherweise dort unsere Unterkunft gebucht.

Im Moment würde ich sogar behaupten, dass mir La Clusaz einen Tick besser gefällt als Le Grand-Bornand. Aber das ist ausdrücklich ein Urteil nach dem ersten Tag. Wahrscheinlich ist es klüger, einem Ort wenigstens zwei oder drei Tage Gelegenheit zu geben, bevor man offiziell einen Schönheitswettbewerb eröffnet.
Was ich allerdings jetzt schon weiß: Wir werden wiederkommen. Von unserer Ferienwohnung aus ist La Clusaz nur eine kurze Autofahrt entfernt, und vor allem möchten wir von dort noch weiter Richtung Col des Aravis fahren und uns diese Landschaft genauer ansehen. Der Col des Aravis liegt auf knapp 1.500 Metern, und von dort eröffnet sich bei entsprechendem Wetter auch der Blick Richtung Mont Blanc.
Und plötzlich standen da Rallyeautos
Dass La Clusaz bei unserem ersten Besuch ein kleines bisschen lebhafter war als gewöhnlich, hatte allerdings einen Grund.
Wir waren nämlich ausgerechnet mitten in die Rallye Mont-Blanc Morzine geraten.
Und nein, das war kein kleines örtliches Bergrennen mit sechs Autos und anschließendem Würstchenstand. Die Rallye Mont-Blanc Morzine ist eine große nationale französische Rallyeveranstaltung. 2026 findet die inzwischen 78. Ausgabe vom 3. bis 5. September statt.
Am 4. September, also genau an unserem Besuchstag, war La Clusaz unmittelbar betroffen. Unter anderem waren die Route de la Croix-Fry und die Route de l’Étale über viele Stunden für den normalen Verkehr gesperrt. Im Champ Giguet befand sich außerdem ein Parc fermé, weitere Flächen waren für die technische Betreuung der Fahrzeuge reserviert.
Wir wollten also eigentlich nach unserem Wasserfall-Abenteuer nur ein bisschen gemütlich durch ein hübsches Bergdorf laufen und landeten stattdessen zwischen Rallyeautos.
Kann man auch machen.
Und irgendwie passte es sogar zu diesem Tag.

Le Chinaillon: unsere Ferienwohnung für rund 100 Euro pro Nacht
Unsere Unterkunft selbst war dann die nächste Überraschung. Wir zahlen ungefähr 100 Euro pro Nacht und haben dafür eine Ferienwohnung bekommen, die ich von der Ausstattung her schon fast in die Luxusabteilung einsortieren würde.
Die Wohnung ist riesig. Hier könnten problemlos sechs Personen wohnen, wir sind aber nur zu zweit mit den Hunden. Die Ausstattung ist ausgesprochen hochwertig, es fehlt eigentlich an nichts, und insgesamt ist das sehr viel mehr Ferienwohnung, als ich für diesen Preis erwartet hätte.
Natürlich findet man immer irgendetwas.
Der Garten ist beispielsweise nicht so eingezäunt, dass man die Hunde einfach hinauslassen könnte, und die Straße liegt relativ nah am Grundstück. Für uns ist das allerdings kein großes Problem. Unsere Hunde sind es ohnehin nicht gewohnt, einfach unbeaufsichtigt im Garten herumzulaufen.
Wenn man bei einer riesigen, hervorragend ausgestatteten Ferienwohnung für etwa 100 Euro pro Nacht irgendwann bei „aber der Zaun könnte besser sein“ angekommen ist, befindet man sich ohnehin bereits ziemlich tief im Bereich des Jammerns auf hohem Niveau.
Le Chinaillon selbst liegt auf rund 1.300 Metern und ist der höher gelegene Ortsteil von Le Grand-Bornand. Der offizielle Tourismusverband beschreibt ihn auch als Ausgangspunkt zahlreicher Wanderungen zwischen Almen und Bergkämmen.
Wie gut unser unmittelbarer Standort allerdings für Urlaub mit Hund geeignet ist, möchte ich nach einem einzigen Morgen noch nicht beurteilen.

Urlaub mit Hund in Le Grand-Bornand: mein erster Eindruck
Das ist nämlich genau der Punkt, bei dem ich lieber erst teste und danach schreibe.
Unsere erste kleine Gassirunde am Morgen war nicht unbedingt das, was ich mir unter einem traumhaften Spaziergang direkt vor der Ferienwohnung vorstelle. Ich habe bisher noch keinen schönen kleinen Weg entdeckt, auf dem man einfach die Tür aufmacht und entspannt zwanzig Minuten mit den Hunden läuft. Vielleicht gibt es den zwei Straßen weiter und ich bin nur in die falsche Richtung gelaufen. Vielleicht ist unsere Lage dafür tatsächlich nicht ideal.
Das werden wir in den nächsten Tagen herausfinden.
Und genau deshalb möchte ich auch noch keine große Empfehlung mit dem Stempel „perfekter Urlaubsort mit Hund“ vergeben. Dass Hunde in unserer Ferienwohnung erlaubt sind und wir hier unglaublich viel Natur haben, ist schon einmal ein großer Pluspunkt. Wie unkompliziert Spaziergänge, Ausflugsziele, Bergbahnen und Wasserstellen tatsächlich mit Hund sind, schauen wir uns jetzt nach und nach an.
Dann kann ich am Ende des Urlaubs auch wirklich sagen, was gut ist und wo es Einschränkungen gibt.
Mein Fazit nach dem ersten Tag: Hier oben ist es einfach unglaublich schön
Wenn ich den ersten Tag auf einen Satz reduzieren müsste, wäre es dieser:
Der Wechsel vom See hinauf in die Berge war die beste Entscheidung dieser Reise.
Annecy und Aix-les-Bains haben ihre Reize. Dort kann man wunderbar baden, am Wasser sitzen und einen klassischen Sommerurlaub verbringen. Aber hier oben beginnt für mich landschaftlich noch einmal eine völlig andere Liga.
Diese Mischung aus sattgrünen Almen, Chalets, kleinen Bergdörfern und gewaltigen hellen Felswänden ist genau die Art von Landschaft, bei der ich dauernd denke: Da müssen wir noch hoch. Da müssen wir noch hin. Und was ist eigentlich hinter diesem Berg?
Besonders La Clusaz hat mich schon beim ersten Besuch begeistert. Ob ich am Ende tatsächlich sage, dass es schöner ist als Le Grand-Bornand, lasse ich noch offen. Der Urlaub hat schließlich gerade erst angefangen.
Aber eines steht bereits fest: Die Aravis stehen jetzt ganz oben auf unserer Liste.
Und wenn wir dabei wieder irgendwo falsch abbiegen, durch Dornen krabbeln und anschließend die Hunde über ein Gebüsch reichen müssen, wäre das zumindest konsequent.
Also ich werde euch die Tage noch berichten und Fotos kommen wahrscheinlich auch nicht gerade wenig, so wie ich mich kenne 😃







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