Atemberaubende Ausblicke

La Clusaz mit Hund: Warum mich die Berge oberhalb des Ortes völlig begeistert haben

Wir wohnen während unseres Urlaubs in Le Grand-Bornand. Und bevor das hier nach Gemecker klingt: Le Grand-Bornand ist wunderschön. Der Ort ist hübsch, gepflegt, gemütlich und liegt traumhaft zwischen den Bergen. Man fühlt sich dort sofort wohl.

Trotzdem hatte ich nach einigen Tagen ein kleines Problem: Mit Hund einfach mal ganz normal spazieren gehen ist erstaunlich schwierig.

Natürlich gibt es Wanderwege. Wir sind schließlich mitten in den französischen Alpen. Aber genau das ist der Punkt. Vieles ist auf richtiges Wandern, Skigebiet, Lifte und Bergsport ausgerichtet. Einfach irgendwo das Auto abstellen und eine Stunde oder zwei über schöne Wege durch die Berge laufen, ohne daraus gleich eine ausgewachsene Bergtour zu machen, war zumindest für uns gar nicht so leicht zu finden.

Und dann sind wir nach La Clusaz gefahren.

La Clusaz ist hübsch, aber das Beste beginnt erst außerhalb des Ortes

La Clusaz selbst ist ein typischer französischer Bergort mit Chalets, Geschäften, Restaurants und natürlich jeder Menge Wintersport-Infrastruktur. Schön, keine Frage.

Aber wer mit Hund unterwegs ist, sollte meiner Meinung nach nicht im Ort stehen bleiben.

Wir sind von La Clusaz aus weiter Richtung Les Confins gefahren. Je weiter man nach oben kommt, desto stärker verändert sich die Landschaft. Die Häuser werden weniger, die Berge größer und irgendwann sitzt man im Auto und denkt nur noch: Genau deswegen bin ich in die Alpen gefahren.

Der Lac des Confins liegt etwa vier Kilometer vom Zentrum von La Clusaz entfernt. Offiziell wird die Gegend wegen ihres Panoramas am Fuß der Combes des Aravis beworben. 

Und die Aussicht ist tatsächlich gewaltig.

Der See selbst hat uns allerdings überhaupt nicht begeistert.

Hübsch gemacht, aber es war so extrem matschig, nicht geeignet für Hunde

Lac des Confins mit Hund: Für uns keine Empfehlung

Auf Fotos sieht der Lac des Confins natürlich wunderbar idyllisch aus. Berge dahinter, grüne Wiesen, Wasser davor. Fertig ist das Alpenpostkartenmotiv.

Mit unseren Hunden war die Sache erheblich weniger romantisch.

Der Uferbereich war bei unserem Besuch dermaßen matschig, dass die Hunde teilweise richtig einsanken. An entspanntes Baden war überhaupt nicht zu denken. Statt „Hurra, Bergsee!“ war es eher die Frage, wie wir die Hunde wieder sauber und möglichst vollständig aus dem Schlamm bekommen.

Zumindest bei den Bedingungen, die wir erlebt haben, würde ich den Lac des Confins deshalb nicht als Badestelle für Hunde empfehlen.

Die offizielle Runde um den See ist etwa 2,5 Kilometer lang und hat nur rund 65 Höhenmeter. Wer einfach eine kleine Runde laufen möchte, kann das natürlich tun. 

Aber wegen des Sees allein würde ich nicht hierherfahren.

Wegen der Landschaft dahinter unbedingt.

Nicht am Lac des Confins umdrehen

Das ist eigentlich der wichtigste Tipp dieses ganzen Beitrags.

Wer am Lac des Confins angekommen ist, sollte nicht denken: Das war’s.

Weiterfahren.

Die Straße führt noch weiter hinein und hinauf Richtung Aravis-Massiv. Und genau dort wurde es für mich richtig spektakulär.

Irgendwann erreicht man den Parking de l’Arpettaz, den letzten großen Parkplatz. Die offizielle Wanderbeschreibung von La Clusaz beschreibt die Anfahrt genauso: Von La Clusaz folgt man der Straße Richtung Les Confins bis zum letzten Parkplatz. Ausgangspunkt ist der Parking de l’Arpettaz. 

Und dort oben ist man plötzlich mitten in einer Landschaft, bei der selbst mein fotografierendes Handy irgendwann kapituliert hat. Auf Bildern bekommt man diese Dimensionen einfach nicht richtig eingefangen.

Vor einem liegen riesige grüne Almflächen und breite Bergmulden, dahinter steigen die grauen Felswände der Chaîne des Aravis fast senkrecht auf. Keine liebliche Voralpenkulisse mehr, sondern richtige Berge.

Les Combes des Aravis: Genau hier wollte ich hin

Auf den Schildern taucht dort der Name Les Combes des Aravis auf.

Mit „Combes“ sind die großen Bergmulden beziehungsweise Täler gemeint, die sich zwischen den einzelnen Gipfeln der Aravis-Kette nach oben ziehen. Und genau diese Landschaft macht die Gegend so besonders.

Das Schöne für uns war aber nicht nur das Panorama.

Man kann dort tatsächlich loslaufen.

Und zwar nicht ausschließlich auf irgendwelchen hochalpinen Steigen, für die man morgens um sechs mit Trekkingstöcken, Trinkblase und dem Ehrgeiz eines Steinbocks aufbrechen muss. 😄

Vom Parking de l’Arpettaz führen auch breitere Wege durch die Almen. Eine offizielle Route führt beispielsweise über Chalet de Paccaly und weiter Richtung Refuge de la Bombardellaz. Die vollständige Runde ist mit 7,2 Kilometern, 370 Höhenmetern und ungefähr 2 Stunden 45 Minuten angegeben. 

Man muss diese Runde aber natürlich nicht komplett laufen.

Und genau das gefällt mir mit Hund so gut an dieser Gegend: Man kann einfach ein Stück gehen, schauen, wie weit man möchte, und irgendwann wieder umdrehen.

Für Hundeurlaub finde ich diese Gegend viel geeigneter als das Zentrum von Le Grand-Bornand

Das war für mich tatsächlich die Überraschung dieses Urlaubs.

Vorher hätte ich vermutlich gedacht, Le Grand-Bornand und La Clusaz nehmen sich nicht viel. Zwei bekannte Bergorte, nur wenige Kilometer voneinander entfernt, beide mitten im Aravis-Massiv.

Vor Ort empfinde ich die beiden Gegenden aber sehr unterschiedlich.

Le Grand-Bornand gefällt mir als Ort sogar ausgesprochen gut. Es ist gemütlich und wunderschön gelegen.

Aber rund um La Clusaz, besonders hinter Les Confins Richtung L’Arpettaz und Combes des Aravis, hatte ich viel stärker dieses Gefühl: Hier möchte ich mit meinen Hunden unterwegs sein.

Man sieht überall Wege. Man kommt sehr schnell aus der bebauten Gegend heraus. Und vor allem hat man diese riesige Berglandschaft direkt vor der Nase, ohne zwingend eine große Bergtour unternehmen zu müssen.

Für mich ist das ein gewaltiger Vorteil.

Wenn ich noch einmal für längere Zeit Urlaub in dieser Ecke der französischen Alpen machen würde, würde ich deshalb ernsthaft überlegen, eine Unterkunft außerhalb von La Clusaz und möglichst weit oben Richtung Les Confins zu nehmen.

Nicht unbedingt direkt am See.

Aber irgendwo dort oben.

Denn morgens die Tür aufzumachen und mit den Hunden direkt in dieser Landschaft loszulaufen, stelle ich mir ziemlich grandios vor.

Und wir waren an diesem Tag noch längst nicht fertig. Denn danach sind wir weitergefahren und haben noch eine ganz andere Seite der Aravis entdeckt.

Und dann kam die Überraschung des Tages: Le Grand-Bornand kann doch Wandern

Nach unserem Ausflug oberhalb von La Clusaz war für Paul allerdings erst einmal Schluss. Wegen seiner HD darf er keine langen Wanderungen machen, und bei Temperaturen von deutlich über 30 Grad wäre eine große Tour ohnehin keine besonders kluge Idee gewesen. Also ging es zurück in die Ferienwohnung, Beine hoch, Hunde ausruhen lassen und warten, bis der Nachmittag etwas weiter fortgeschritten war.

Unser Plan für später war eigentlich ziemlich simpel: Wir wollten mit den Hunden an einen See. Ein bisschen Wasser, ein bisschen Abkühlung, keine große Wanderung mehr.

Das war atemberaubend schön 😍

Die Hoffnung, dass es am späten Nachmittag kühler werden würde, erwies sich allerdings als ausgesprochen optimistisch. Es wurde eher noch heißer.

Also fuhren wir Richtung Lac de la Cour und Maroly. Und genau dort musste ich meine bisherige Einschätzung von Le Grand-Bornand ziemlich gründlich korrigieren.

Denn bislang hatte ich gedacht: wunderschöner Ort, aber eben vor allem Skigebiet. Sessellifte, Skipisten, Winterbetrieb, alles wunderbar für Skifahrer, nur mit gemütlichem Wandern im Sommer hatte ich diese Landschaft überhaupt nicht verbunden.

Falsch gedacht.

Das riesige Skigebiet wird im Sommer zum Wandergebiet

Schon während der Fahrt wurde klar, welche Dimension dieses Skigebiet eigentlich hat. Sessellifte tauchen überall an den Berghängen auf, dazwischen Liftanlagen, breite Schneisen und Pisten. Gefühlt steht hinter jedem zweiten Hügel der nächste Sessellift.

Und trotzdem sieht die Landschaft im Sommer keineswegs nach einem verlassenen Wintersportgebiet aus.

Im Gegenteil.

Zwischen den Liftanlagen ziehen sich Wanderwege durch die gesamten Almflächen. Genau die Landschaft, die im Winter Skipiste ist, wird im Sommer zu einem riesigen Netz aus Wegen, Wiesen und Bergpfaden.

Die offizielle Tourismusseite von Le Grand-Bornand bestätigt genau diesen Eindruck: Das Maroly-Tal gehört zu den großen Wandergebieten des Ortes. Eine einfache ausgeschilderte Runde führt beispielsweise von Les Bouts zu den Bauernhöfen von Maroly. Sie ist nur 4,8 Kilometer lang, hat rund 193 Höhenmeter und wird ausdrücklich als leichte Wanderung geführt. Der erste Abschnitt verläuft sogar auf einem sanft ansteigenden Almweg. Hunde dürfen mit, müssen wegen der Weidetiere allerdings angeleint werden. 

Und plötzlich war klar: Wir hatten Le Grand-Bornand schlicht von der falschen Seite kennengelernt.

Lac de la Cour und Maroly: eine völlig andere Seite von Le Grand-Bornand

Rund um den Lac de la Cour und das Maroly öffnet sich eine fantastische Berglandschaft.

Grüne Almen ziehen sich weit nach oben, dahinter stehen die Berge, und überall verlaufen Wege. Dazu kommen die kleinen Bergseen, die in dieser Kulisse fast ein bisschen unwirklich aussehen.

Der Lac de la Cour liegt auf etwa 1.500 Metern Höhe mitten in den Almflächen. Auch die offizielle Tourismusseite bezeichnet ihn als Bergsee mit spektakulärem Blick auf den Jallouvre.

Und das Ganze liegt tatsächlich mitten im Skigebiet.

Das fand ich fast am spannendsten.

Denn normalerweise verbindet man Skipisten mit Winter und Wanderwege mit irgendeinem anderen Berg. Hier ist beides einfach übereinandergelegt. Im Winter sausen die Menschen mit Skiern den Hang herunter, im Sommer laufen Kühe darüber und Wanderer ziehen zwischen den Sesselliften hindurch.

Eine größere Rundwanderung führt beispielsweise um den Mont Lachat de Châtillon durch die Almen von Chinaillon und Maroly. Dabei hat man Ausblicke auf die Aravis-Kette und je nach Abschnitt sogar Richtung Mont Blanc. 

Das ist also keineswegs nur irgendwo ein kleiner Wanderweg zwischen ein paar Skipisten.

Das ist ein richtig großes Wandergebiet.

Genau solche Wege hatte ich in Le Grand-Bornand gesucht

Und damit musste ich mein Urteil vom Vormittag tatsächlich wieder einsammeln.

Ich hatte ja noch gesagt, dass ich La Clusaz mit Hund deutlich geeigneter finde, weil man dort oben bei den Combes des Aravis überall Möglichkeiten zum Laufen findet.

Das stimmt weiterhin.

Aber Le Grand-Bornand kann genau das ebenfalls. Man muss nur wissen, wohin man fahren muss.

Direkt rund um den Ort hatte sich uns das überhaupt nicht erschlossen. Im Bereich Chinaillon, Maroly und Lac de la Cour sieht die Sache vollkommen anders aus.

Dort hätte ich problemlos mehrere Tage verbringen können und jeden Tag einen anderen Weg nehmen.

Und genau das ist für mich beim Urlaub mit Hund entscheidend. Ich brauche nicht jeden Tag eine spektakuläre Gipfeltour. Im Gegenteil. Gerade mit Paul sind kleinere Runden viel sinnvoller. Ich möchte schöne Wege, auf denen ich eine halbe Stunde, eine Stunde oder vielleicht auch einmal zwei Stunden laufen kann und jederzeit wieder umdrehen kann.

Genau dafür scheint diese Gegend ideal zu sein.

Baden ist total verboten, aber es war sooooooooo heiß 😅

Die Seen waren allerdings nicht zum Baden gedacht

Unser ursprünglicher Plan war ja weniger philosophisch.

Die Hunde sollten schlicht ins Wasser. 😄

Das erwies sich als kleine Schwierigkeit, denn die Seen dort sind nicht einfach frei zugängliche Badeseen. Der Lac de la Cour wird unter anderem zum Angeln genutzt, und die touristischen Informationen führen ihn auch ausdrücklich als entsprechenden Bergsee.

Also kein offizielles Hundebad.

Bei weit über 30 Grad und drei ziemlich überhitzten Hunden blieb es bei uns allerdings nicht bei der rein theoretischen Betrachtung des Wassers.

Sie waren kurz drin.

Sehr kurz.

Und fanden es erwartungsgemäß großartig.

Als Empfehlung würde ich das trotzdem nicht weitergeben: Zum gezielten Baden mit Hund sollte man sich einen anderen See suchen. Als Ausflugsziel und Ausgangspunkt für Spaziergänge und Wanderungen ist die Gegend dagegen fantastisch.

Mein Bild von Le Grand-Bornand hat sich an diesem Nachmittag komplett verändert

Am Vormittag hätte ich noch geschrieben:

Für einen Urlaub mit Hund würde ich La Clusaz vorziehen.

Nach diesem Nachmittag würde ich das nicht mehr so eindeutig sagen.

La Clusaz mit den Combes des Aravis oberhalb von Les Confins ist spektakulär und für mich weiterhin eines der Highlights dieser Reise.

Aber Le Grand-Bornand hat mit Chinaillon und dem Maroly-Gebiet eine Seite, die man vom eigentlichen Ort überhaupt nicht erahnt.

Und möglicherweise ist genau das der wichtigste Tipp, den ich nach diesem Urlaub geben kann:

Wenn du in Le Grand-Bornand Urlaub machst und glaubst, dort könne man mit Hund nicht richtig spazieren oder wandern, fahr hinauf Richtung Chinaillon und Maroly.

Denn dort beginnt ein völlig anderes Le Grand-Bornand.

Wir haben davon an diesem Nachmittag eigentlich nur einen winzigen Ausschnitt gesehen. Und trotzdem war mir sofort klar: Da müssen wir noch einmal hin.

Vielleicht machen wir das am Montag.

Denn diese Berge sind definitiv noch nicht fertig mit uns.


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Ich bin Daniela

Herzlich Willkommen auf meinem Urlaub mit Hund Blog. Ich hoffe, dir gefallen meine Reisetipps

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